Motown: Die Hitfabrik der Soulmusik

Motown: Die Hitfabrik der Soulmusik

Von Philip Stegers

Die Karrieren von Marvin Gaye, Stevie Wonder, Diana Ross und Michael Jackson wären undenkbar ohne die Plattenfirma Motown Records, die vor 60 Jahren von Berry Gordy mit nur 800 Dollar Startkapital gegründet wurde.

Erster Firmensitz von Motown Records

In diesem Einfamilienhaus in Detroit beginnt 1959 die Erfolgsgeschichte von Motown Records. Firmengründer Berry Gordy baut ein Tonstudio ins Erdgeschoss und zieht mit seiner Familie in die Etage darüber. Vom Erfolg seiner Plattenfirma überzeugt, bringt er über dem Eingang des Hauses das Schild "Hitsville, U.S.A." an. Und tatsächlich ist dies der Ort, an dem einige der größten Hits der 60er und 70er Jahre entstehen.

In diesem Einfamilienhaus in Detroit beginnt 1959 die Erfolgsgeschichte von Motown Records. Firmengründer Berry Gordy baut ein Tonstudio ins Erdgeschoss und zieht mit seiner Familie in die Etage darüber. Vom Erfolg seiner Plattenfirma überzeugt, bringt er über dem Eingang des Hauses das Schild "Hitsville, U.S.A." an. Und tatsächlich ist dies der Ort, an dem einige der größten Hits der 60er und 70er Jahre entstehen.

Berry Gordy (rechts) hat Großes vor. Und weil er weiß, dass er dazu fähige Geschäftspartner braucht, ernennt er den Sänger, Songwriter und Produzenten Smokey Robinson (links) zum Vize-Präsidenten von Motown. Eine Verbindung, die auf einer engen Freundschaft der beiden beruht, die bis heute besteht.

Smokey Robinson & The Miracles (Bild) landen 1960 mit "Shop Around" den ersten großen Erfolg für Motown Records, die sich musikalisch auf Soul und Rhythm & Blues konzentrieren. In den USA gilt noch die Rassentrennung, schwarze Künstler werden in der Musikbranche notorisch über den Tisch gezogen. Umso attraktiver erscheint daher für viele von ihnen eine Plattenfirma, die von einem schwarzen Geschäftsmann geführt wird.

The Supremes: In der Hoffnung entdeckt zu werden, lungern Mary Wilson, Florence Ballard und Diana Ross regelmäßig nach der Schule vor dem Tonstudio von Motown herum. Zunächst dürfen sie nur ein paar Chorgesänge und Handclaps für andere Künstler beisteuern, dann gibt ihnen Berry Gordy endlich den ersehnten Plattenvertrag. Dank Hits wie "Baby Love", "Stop! In The Name of Love" und "Where Did Our Love Go" wird das Trio eine der erfolgreichsten Gruppen aller Zeiten.

Auch Marvin Gaye ist zunächst nur als Schlagzeuger auf Motown-Titeln wie "Please Mr. Postman" von The Marvelletes zu hören, bevor er 1961 seine Karriere als Solokünstler startet. Er heiratet die 18 Jahre ältere Anna Gordy, die Schwester seines Plattenbosses. Schwägerin Gwen Gordy ist Songwriterin und mit Harvey Fuqua liiert, der wiederum die Platten von Marvin Gaye produziert. Motown ist ein echtes Familienunternehmen.

Als 11-jähriges Wunderkind landet "Little Stevie Wonder" bei Motown. Er erweist sich nicht nur als Ausnahmesänger, sondern spielt als Multi-Instrumentalist seine Alben später auch fast im Alleingang ein. Ein begnadeter Songwriter ist Stevie Wonder obendrein - Hits wie "Signed, Sealed, Delivered I'm Yours", "You Are the Sunshine of My Life" oder "Superstition" landen auf Platz 1 der amerikanischen Charts.

Die Plattenfirma schickt ihre Künstler regelmäßig als "Motortown Revue" auf gemeinsame Tourneen durch die USA und um den Globus. Der Name "Motortown" ist eine Anspielung auf die damals noch boomende Automobil-Industrie in der Heimatstadt Detroit, "Motown" wiederum ein daraus abgeleitetes Kofferwort.

Hits, Hits, Hits: Von 1961 bis 1971 bringt Motown Records als unabhängige Plattenfirma unglaubliche 110 Top-Ten-Hits heraus. An 22 Stunden am Tag wird im Tonstudio der Detroiter Hitfabrik Musik aufgenommen.

Für die Hits der Motown-Künstler sind meistens Songwriter-Teams zuständig, Nickolas Ashford und Valerie Simpson schreiben für das Duo Marvin Gaye & Tammi Terrell Hits wie "Ain’t No Mountain High Enough" und "Ain’t Nothing Like the Real Thing". Auch der Großteil der Titel auf den ersten drei Soloalben von Diana Ross stammt aus ihrer Feder. Ab 1973 sind sie als "Ashford & Simpson" selbst als Interpreten erfolgreich.

Hinter den Hits für Motown stehen neben den Produzenten und Songwritern auch dreizehn Sessionmusiker, die außerhalb der Musikbranche kaum jemand kennt. Sie nennen sich die "Funk Brothers" und sorgen zwischen 1959 und 1972 für den typischen Motown-Sound. Ein Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood und der Dokumentarfilm "Standing in the Shadows of Motown" erinnert an sie.

Wer weiß, was aus Michael Jackson (3.v.r.) geworden wäre, wenn Motown nicht 1969 die Jackson 5 unter Vertrag genommen hätte. Die Band landet mit "ABC", "I Want You Back" und "I'll Be There" einen Nr.1-Hit nach dem anderen. Plattenboss Berry Gordy hat von Anfang an die Strategie mit seinen Künstlern ein Mainstream-Publikum zu erreichen, für das die Hautfarbe der Künstler keine Rolle spielt. Motown leistet so auch einen wichtigen Beitrag, die Rassenschranken in der amerikanischen Gesellschaft aufzuheben.

1972 zieht Motown Records nach Hollywood um. Zurück bleiben viele Angestellte der Firma, Künstler wie Gladys Knight und die Four Tops, sowie die Funk Brothers. Berry Gordy hat große Pläne im Filmgeschäft. Die Neuauflage von Wizard of Oz mit Michael Jackson als Vogelscheuche erweist sich 1978 allerdings als veritabler Flop.

Ab den 70er Jahren hat Motown immer weniger erfolgreiche Künstler unter Vertrag, wie etwa die Commodores mit Leadsänger Lionel Richie. Die Discowelle findet weitgehend ohne die Plattenfirma statt, das einstige Firmenmotto "The Sound of Young America" hat sich überholt. Motown verpasst wichtige musikalische Trends wie HipHop und schreibt rote Zahlen. 1988 verkauft Berry Gordy sein Label an MCA Records für 61 Millionen Dollar.

Stand: 16.01.2019, 18:41 Uhr