Led Zeppelin II – Das Hardrock-Meisterwerk wird 50 Jahre

Led Zeppelin II – Das Hardrock-Meisterwerk wird 50 Jahre

Von Philip Stegers

Schon in den ersten Sekunden von "Whole Lotta Love" wird klar: Diese Platte ist wie keine andere. Tonnenschwere Gitarren, riesiger Schlagzeug-Sound, Klangspielereien: alles Elemente eines Albums, mit dem Led Zeppelin den harten Rock auf eine neue Stufe hob.

Led Zeppelin

Weil die in Auflösung befindlichen Yardbirds 1968 noch Verpflichtungen für Konzerte in Skandinavien haben, gründet ihr Gitarrist Jimmy Page (rechts) die New Yardbirds mit neuen Musikern: Der völlig unbekannte Robert Plant (2.v.l) singt, Sessionmusiker John Paul Jones (links) spielt Bass und am Schlagzeug sitzt der spektakulär trommelnde Hilfsarbeiter John Bonham (2.v.r.).

Weil die in Auflösung befindlichen Yardbirds 1968 noch Verpflichtungen für Konzerte in Skandinavien haben, gründet ihr Gitarrist Jimmy Page (rechts) die New Yardbirds mit neuen Musikern: Der völlig unbekannte Robert Plant (2.v.l) singt, Sessionmusiker John Paul Jones (links) spielt Bass und am Schlagzeug sitzt der spektakulär trommelnde Hilfsarbeiter John Bonham (2.v.r.).

Nach der Tour benennen sich die New Yardbirds in Led Zeppelin um – ein Name, der deutlich besser zum wuchtigen Bluesrock des Quartetts aus England passt. Ihr Debütalbum wird von vielen Musikjournalisten noch kritisch beäugt, mit dem zweiten Album "Led Zeppelin II" gelingt der Band ein Meilenstein des Hardrock.

"Led Zeppelin II" wird 1969 die Blaupause für nachfolgende Hardrock-Bands. Statt üblicher Songstrukturen stehen schwere, knochentrockene Riffs im Zentrum von Songs wie "Whole Lotta Love" oder "Heartbreaker". Die dynamische Bandbreite der Band ist atemberaubend und wechselt in "Ramble On", "Bring it On Home" und "What Is And What Should Never Be” beständig zwischen sanften Klängen und brachialem Vollgas.

"Led Zeppelin II" wird auf Tour in verschiedenen Studios aufgenommen und gemixt. Dass das Album trotzdem wie aus einem Guss klingt, ist auch der Verdienst von Toningenieur Eddie Kramer, der zuvor bereits für die Alben von Jimi Hendrix am Mischpult saß und ein besonderes Händchen für psychedelische Klänge und knackigen Rocksound hat.

Von Anfang an umweht Led Zeppelin eine Aura des Geheimnisvollen, was auch daran liegt, dass die Band keine Singles veröffentlicht und statt auf Fernsehauftritte lieber auf ausgiebige Tourneen und Mundpropaganda setzt.

Jimmy Page ist bei Led Zeppelin nicht nur für die Riffs zuständig, er hat auch eine genaue Vorstellung vom Gesamtsound und produziert alle Alben. Vor Gründung der Band ist er bereits einer der gefragtesten Studiogitarristen Englands – zu hören auf Songs wie "Downtown" von Petula Clark, "Sunshine Superman” von Donovan oder auf "With A Little Help From My Friends” von Joe Cocker.

Auch John Paul Jones ist Teil der Londoner Sessionmusikerszene, in der er Mitte der 60er Jahre Jimmy Page kennenlernt. John Paul Jones ist nicht nur ein versierter Bassist, er ist auch die musikalische Allzweckwaffe von Led Zeppelin. Wird eine röhrende Hammondorgel, eine Flöte, Mandoline oder ein Streicherarrangement benötigt, ist das ein Fall für den leidenschaftlichen Soulmusik-Fan.

Bei Wahlen zum besten Rockdrummer aller Zeiten landet John Bonham bis heute regelmäßig auf einem der vordersten Plätze. Sein Schlagzeugspiel verbindet ungeheure Wucht mit swingender Lässigkeit und der Präzision einer Dampfmaschine. Er entwickelt eine bis dato unbekannte Spieltechnik, die es ihm ermöglicht, mit dem Fuß extrem schnelle Schläge auf der Bassdrum abzufeuern.

Mit dramatischen Posen, viel nackter Haut und einer eindringlichen Kopfstimme wird der knapp 20-Jährige Robert Plant zum ersten Rolemodel für angehende Hardrock-Sänger. Seine Vorliebe für "Der Herr der Ringe" schlägt sich auch in seinen Texten für Led Zeppelin nieder, in denen es zumeist um Frauen, Schlachten oder Mystisch-Fantastisches geht.

Allem Pioniergeist zum Trotz, hat die Band keine Hemmungen, sich musikalisch regelmäßig bei anderen Künstlern zu bedienen, ohne diese an den Einnahmen der Songs zu beteiligen. Von "Led Zeppelin II" landen "The Lemon Song" und "Whole Lotta Love" wegen geklauter Textpassagen vor Gericht. Und auch "Moby Dick" klingt verdächtig nach "Watch Your Step" von Bobby Parker.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Led Zeppelin ist ihr berühmt-berüchtigter Manager Peter Grant (links). Der ehemalige Wrestler setzt mit einer Mischung aus Charme, Dreistigkeit und Einschüchterung rücksichtslos die Interessen seiner einzigen Klienten durch.

Mit "Led Zeppelin II" gelingt es Led Zeppelin als erster englischer Band seit den Beatles, in den USA so richtig durchzustarten. Das Album landet nicht nur in den USA und England auf Platz 1. Bald darauf ist Led Zeppelin die größte Rockband des Planeten.

Stand: 20.10.2019, 18:26 Uhr