Eric Clapton: Der "Gitarrengott" wird 75

Eric Clapton: Der "Gitarrengott" wird 75

Von Philip Stegers

Als Eric Clapton in den 70ern mit Hits wie "Layla" weltweit durchstartet, liegt bereits eine bewegte Karriere hinter ihm. Am 30. März 2020 wurde die Blueslegende 75 Jahre alt. Wir blicken auf sein Leben zwischen Triumph und Tragödie.

Eric Clapton

Eric Clapton wächst in der englischen Grafschaft Surrey bei seinen Großeltern auf. Im Alter von neun Jahren erfährt er, dass seine vermeintliche Schwester in Wahrheit seine 16 Jahre ältere Mutter ist. Die Erfahrung ist traumatisch für ihn. Seinen Vater lernt er nie kennen.

Eric Clapton wächst in der englischen Grafschaft Surrey bei seinen Großeltern auf. Im Alter von neun Jahren erfährt er, dass seine vermeintliche Schwester in Wahrheit seine 16 Jahre ältere Mutter ist. Die Erfahrung ist traumatisch für ihn. Seinen Vater lernt er nie kennen.

Mit 18 ist er bereits ein versierter Gitarrist und steigt bei den Yardbirds ein. Das Repertoire der Band besteht aus amerikanischen Blues- und R&B-Coverversionen. Als den Yardbirds mit dem eingängigen "For Your Love" 1965 der erste große Hit gelingt, packt Eric Clapton umgehend den Gitarrenkoffer. Der Bluespurist hat keine Lust auf kommerziell besser vermarktbare Popsongs.

Eric Clapton geht zurück zu seinen Blueswurzeln und steigt im April 1965 für ein Jahr bei John Mayall & the Bluesbreakers ein. Die Band mit ihrer ständig wechselnden Besetzung ist die britische Kaderschmiede für angehende Rockstars: Neben Clapton spielen dort auch Jack Bruce (Cream), Mick Taylor (Rolling Stones), Mick Fleetwood, Peter Green und John McVie (alle Fleetwood Mac).

Mit Jack Bruce (Mitte) und Ginger Baker (links) gründet er 1966 die Supergroup Cream. Der Sound der Band ist eine ganz eigene Mischung aus Blues und Rock. Die Konzerte bieten dem Power-Trio reichlich Gelegenheit, ihr virtuoses Können vorzuführen.

Gut abgehangene Riffs wie in "Sunshine of Your Love" oder "Tales of Brave Ulysses" legen den Grundstein für das, was bald darauf Hard Rock genannt wird. An Londoner Hauswänden taucht ab Mitte der 60er der Slogan "Clapton is God" auf. Dem eher introvertierten Gitarristen ist soviel Lob allerdings eher peinlich.

Als die Rolling Stones 1968 zum Konzertfilm "Rock and Roll Circus" einladen, ist Eric Clapton (links) genauso in der Manege wie John Lennon und Mitch Mitchell, der Schlagzeuger der Jimi Hendrix Experience. Eine willkommene Abwechslung für Clapton in diesen Tagen von Cream …

... denn zwischen dem egozentrischen Ginger Baker und Alphatier Jack Bruce kracht es fortwährend. Eric Clapton ist zunehmend genervt von der feindseligen Stimmung in der Band. Nach vier Studioalben lösen sich Cream auf.

Kurz darauf gründet Eric Clapton die nächste Supergroup - Blind Faith. Steve Winwood übernimmt den Gesang und die Tasteninstrumente. Auf dem Schlagzeughocker sitzt erneut Ginger Baker. Zu ihrem ersten Konzert im Londoner Hyde Park kommen 100.000 Zuschauer. Vier Monate später ist auch diese Band bereits wieder Geschichte.

1969: Eric Clapton mit seiner damaligen Lebensgefährtin, der 17-jährigen Adeligen Alice Ormsby-Gore. Das ungleiche Glamourpaar rutscht gemeinsam immer tiefer in die Drogenabhängigkeit. 1995 stirbt Alice Ormsby-Gore an einer Überdosis Heroin. In seiner Autobiografie gesteht Eric Clapton, deswegen große Schuldgefühle zu haben.

Unter dem Pseudonym "Derek & the Dominoes" veröffentlicht er 1970 sein erstes Soloalbum – "Layla And Other Assorted Love Songs". Zum ersten Mal übernimmt Eric Clapton hier auch hauptamtlich den Leadgesang. Die Adressatin seiner Liebeslieder ist allerdings nicht Alice Ormsby-Gore, sondern …

… Patti Boyd, die Gattin seines Kumpels George Harrison, die seine Avancen lange Zeit nicht erwidert. Nachdem die Ehe der Harrisons 1977 geschieden wird, heiratet Clapton seine Muse. Der Ex-Beatle nimmt dem Gitarrengott das Ganze übrigens nicht krumm.

George Harrison sorgt 1968 auch dafür, dass Eric Clapton auf dem Beatles-Klassiker "While My Guitar Gently Weeps" das Gitarrensolo übernimmt. Drei Jahre später springt Eric Clapton ebenfalls ein …

… als George Harrison in New York das "Concert for Bangladesh" auf die Beine stellt - das erste große Benefikonzert der Rockgeschichte. Clapton ist zu dem Zeitpunkt schwer heroinabhängig und in desolater körperlicher Verfassung. Nur unter größter Mühe schafft er es überhaupt auf die Bühne.

Sein einziges Hobby in dieser Phase neben Schokolade, Fernsehen gucken und Drogen: schnelle und teure Autos. Anfang der 70er Jahre fehlt Eric Clapton jegliche Motivation zum Musikmachen. Irgendwann geht ihm auch das Geld aus, denn Einnahmen durch Konzerte oder neue Alben gibt es nicht.

Nach drei Jahren überwindet er seine Heroinsucht und feiert 1974 mit dem zweiten Soloalbum "461 Ocean Boulevard" ein fulminantes Comeback. Seine Coverversion von Bob Marleys "I Shot The Sheriff" wird ein weltweiter Hit und sorgt dafür, dass viele Musikfans zum ersten Mal mit Reggae konfrontiert werden.

Sein Spitzname "Slowhand" stammt noch aus Yardbirds Zeiten und hat nichts mit Claptons Gitarrespiel zu tun, sondern mit einer Eigenart des britischen Publikums. Wenn ihm in jenen Tagen auf der Bühne eine Saite reißt, hört Clapton auf zu spielen und zieht seelenruhig eine neue Saite auf. Um die Pause zu überbrücken, beginnt das Publikum regelmäßig langsam zu klatschen (umgangssprachlich: to be given the slowhand).

In der Verfilmung der Rockoper "Tommy" von The Who hat Eric Clapton 1975 einen Auftritt als predigender Wunderheiler eines bizarren Marilyn Monroe-Kults.

In den 80er Jahren veröffentlicht Eric Clapton regelmäßig erfolgreiche Alben wie "August" und "Journeyman", doch privat läuft es nicht rund. Seine Ehe mit Pattie Boyd scheitert, Selbstzweifel plagen plagen ihn. Er überlebt einen Selbstmordversuch.

1987 überwindet er seine langjährige Alkoholabhängigkeit. Anlass dafür ist auch die Geburt seines Sohnes Conor, der aus einer außerehelichen Affäre mit der italienischen Fernsehmoderatorin Lory Del Santo stammt. 1991 stirbt sein vier Jahre alter Sohn bei einem Sturz aus dem 53. Stock eines New Yorker Wolkenkratzers.

Seinen tiefen Schmerz verarbeitet Clapton in dem Song "Tears in Heaven", der zu einem der größten Hits der 90er wird. Das unmittelbar im Anschluss aufgenommene Album "Unplugged" wird das bestverkaufte Livealbum aller Zeiten.

In der Folge wird Clapton mit Ehrungen und Preisen überschüttet. Insgesamt 17-mal nimmt er einen Grammy mit nach Hause. Als einziger Musiker ist er gleich dreifach in der "Rock and Roll Hall of Fame" vertreten – als Mitglied der Yardbirds und Cream sowie als Solokünstler.

Auch privat kommt der notorische Womanizer endlich zur Ruhe. Seit 2002 ist Eric Clapton mit Melia McEnery verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden auf einer Party, bei der sie ihn um ein Autogramm für ihren Onkel bat. Das Ehepaar hat drei Töchter.

Bis heute ist Eric Clapton ist einer der gefragtesten Sideman überhaupt. Seine Qualitäten als songdienlicher Gitarrist weiß auch Bob Dylan sehr zu schätzen.

Für die meisten Rockmusiker bleibt es ein Traum, einmal im Leben in der Royal Albert Hall in London auf der Bühne zu stehen. Nicht so für Eric Clapton: Zwischen 1964 und 2019 trat er über 200-mal in dem altehrwürdigen Konzertsaal auf.

Am 30. März 2020 wird Eric Clapton 75 Jahre alt. Trotz einiger gesundheitlicher Probleme will die lebende Legende vom musikalischen Ruhestand nichts wissen. Die nächste Welttournee ist längst geplant. Happy Birthday, Slowhand!

Stand: 01.04.2020, 16:56 Uhr