Die wichtigsten Debütalben von 1970

Die wichtigsten Debütalben von 1970

Von Philip Stegers

Während die Beatles und ein Gitarrengott sich erstmals auf Solopfade begeben, entstehen in diesem Jahr auch Meilensteine des Hard- und Progressive Rock. Und so manche Popgruppe, die erst später erfolgreich wird, veröffentlicht ebenfalls ihr Debütalbum.

Eric Clapton bringt 1970 unter dem Pseudonym "Derek & The Dominos” sein erstes Soloalbum heraus. "Layla And Other Assorted Love Songs” zeigt den Gitarrengott auf dem Zenit seines Könnens. Die Adressatin seiner Liebeslieder ist Patti Boyd, die Ehefrau seines Kumpels …

George Harrison – der Ex-Beatle veröffentlicht mit "All Things Must Pass" das erste Dreifachalbum der Popgeschichte und landet damit in den USA und Großbritannien auf Platz 1. Allerdings wird die Freude bald getrübt durch eine Plagiatsklage. Seine Hitsingle "My Sweet Lord" klingt nämlich verdächtig nach "He’s So Fine" von The Chiffons. Erst 1998 wird der Fall endgültig zu den Akten gelegt.

John Lennon taucht in jenen Tagen meist im Doppelpack mit Ehefrau Yoko Ono auf. Folgerichtig heißt sein Solodebüt auch "John Lennon/Plastic Ono Band”. Produzent Phil Spector sorgt für einen radikal abgespeckten Sound im Vergleich zum Spätwerk der Beatles. Am Schlagzeug sitzt jedoch mit Ringo Starr ein alter Bekannter.

Wozu braucht man eine Band, wenn man alle Instrumente selber spielen kann? Paul McCartney nimmt sein Solodebüt "McCartney” allein im Heimstudio auf und landet damit trotz schlechter Kritiken auf Platz 1 der US-Charts. Mit Ehefrau Linda gründet er bald darauf dann doch wieder eine neue Band: Wings.

Supertramp sind auf ihrem gleichnamigen ersten Album noch auf der Suche nach der Formel für den perfekten Popsong. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich weder Roger Hodgson noch Rick Davies an die Texte trauen. Diese Aufgabe übernimmt Gitarrist Richard Palmer, der kurz darauf auch schon wieder aussteigt.

Die 70er Jahre sind auch das Jahrzehnt des Progressive Rock. Mit komplexen Songstrukturen, aufwendiger Orchestrierung und Mut zum Pathos liegt Barclay James Harvest voll im Trend. Ihr Debütalbum entpuppt sich allerdings als ziemlicher Ladenhüter. Eine andere Band dieses Genres startet dagegen gleich voll durch ...

Bereits das erste Album der Supergroup Emerson, Lake & Palmer wird dank des Ohrwurms "Lucky Man" ein Riesenerfolg. Berühmt wird der Song auch durch das virtuose Solo, das Keith Emerson auf einem Synthesizer spielt – ein neuartiges Instrument, das zu diesem Zeitpunkt kaum jemand kennt. Auch eine experimentierfreudige Band aus Düsseldorf setzt auf elektronische Klangerzeugung.

Kraftwerk ist die erste deutsche Band, die es in den 70ern zu internationalem Ruhm bringt. In den Anfangstagen ist man aber noch ein ganzes Stück weit entfernt vom rein elektronisch erzeugten Pop späterer Jahre. Es dominiert die Klangforschung mit Synthesizern, begleitet von Rockschlagzeug und Querflöte.

An einem einzigen Tag spielt Black Sabbath mit Sänger Ozzy Osbourne ein Debütalbum ein, das vor tonnenschweren Riffs nur so strotzt. Düstere Texte, in denen Luzifer sein Unwesen treibt, sorgen weltweit für besorgte Eltern. Veröffentlicht wird dieser Meilenstein des Hard Rock passenderweise an einem Freitag, dem 13.

Auch die Hard-Rock-Pioniere von Uriah Heep treten 1970 erstmals in Erscheinung. "Wenn diese Band Erfolg hat, bringe ich mich um. Schon nach der ersten Note hat man genug!”, schreibt seinerzeit die Rezensentin des Rolling Stone über das Debütalbum "… very ’eavy … very ’umble”. Das sehen die zahlreichen Fans der Band allerdings ganz anders.

Curtis Mayfields Debütalbum "Curtis” wird wegweisend für eine zunehmend gesellschaftskritische Haltung in der amerikanischen Soulmusik. Mit sanfter Falsettstimme singt Mayfield gegen die Missstände an und stärkt zugleich mit seinen Liedern das Selbstbewusstsein der Schwarzen. Dabei verliert der Bürgerrechtler nie seinen unerschütterlichen Optimismus.

Kool & The Gang kommen dagegen auf ihrem Erstlingswerk ganz ohne Gesang aus und setzen umso mehr auf Funk mit knackigen Bläsersätzen. Erst auf dem Nachfolgealbum "Music Is The Message” begibt sich die Band auch ans Mikrofon.

Stand: 28.01.2020, 13:20 Uhr