50. Todestag von Brian Jones

50. Todestag von Brian Jones

Von Philip Stegers

Er gab den Rolling Stones ihren Namen und prägte als Multi-Instrumentalist den Sound der frühen Bandjahre. Am 3. Juli 1969 ertrank Brian Jones unter ungeklärten Umständen im Swimmingpool seiner Villa.

The Rolling Stones

Brian Jones (Mitte) ist 1962 gemeinsam mit Keith Richards (2.vl.) und Mick Jagger (rechts) eines der Gründungsmitglieder der Rolling Stones. Er verpasst der Band auch ihren Namen nach dem Song "Rollin’ Stone Blues" von Muddy Waters.

Brian Jones (Mitte) ist 1962 gemeinsam mit Keith Richards (2.vl.) und Mick Jagger (rechts) eines der Gründungsmitglieder der Rolling Stones. Er verpasst der Band auch ihren Namen nach dem Song "Rollin’ Stone Blues" von Muddy Waters.

"Ist da der Cavern Club? Ich hätte da ‘ne richtig gute Band für sie!" – Brian Jones managt die Rolling Stones zu Beginn ihrer Karriere und organisiert erste Auftritte. Dafür zweigt er sich immer etwas von der Gage ab – sehr zum Unwillen seiner Bandkollegen.

In den Anfangstagen gilt der blonde Mädchenschwarm als der eigentliche Bandleader der Rolling Stones. Neben der Gitarre beherrscht Brian Jones auch zahlreiche andere Instrumente wie Klavier, Flöte, Klarinette oder Posaune. Seine musikalische Vielseitigkeit erweitert das Klangspektrum der krachigen Rhythm’n’Blues-Band um eine wichtige Pop-Komponente.

Brian Jones spielt Sitar auf "Paint it Black", Marimba auf "Out of Time" und er sorgt für die zarten Flötentöne in "Ruby Tuesday". Das launische Wunderkind leidet an Asthma und neigt zu unkontrollierten Wutanfällen.

Mit dem großen Erfolg kommen die Probleme. Für das anstrengende und monotone Leben auf Tour ist der labile Brian Jones nicht geeignet. Er flüchtet sich in Alkohol und Drogen. Teilweise muss die Band ohne ihren indisponierten Multi-Instrumentalisten auftreten.

Exotisches Saiteninstrument: Brian Jones spielt einen Dulcimer bei der Aufnahme von "Lady Jane".

Als Sänger tritt Brian Jones bei den Stones nur im Background in Erscheinung. Auch das Songwriting überlässt er ausnahmslos Mick Jagger und Keith Richards. Die Kräfteverhältnisse innerhalb der Band verschieben sich. Der einstige Leader wird immer mehr zum Außenseiter.

Niemand verkörpert in den 60er Jahren das Bad Boy-Image der Rolling Stones mehr als Brian Jones. Wegen Drogenbesitzes gerät er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt. Er zeugt (mindestens) fünf Kinder mit fünf verschiedenen Müttern. Als fürsorglicher Vater tritt er nicht in Erscheinung.

Anita Pallenberg ist ab 1965 zwei Jahre lang die Freundin von Brian Jones, der ihr gegenüber immer wieder gewalttätig wird. Keith Richards "rettet" das deutsch-italienische Model aus dieser Beziehung und beginnt eine Affäre mit ihr. Sie wird die Mutter von Richards' ersten drei Kindern.

In seiner Autobiografie zitiert Stones-Bassist Bill Wyman einen geradezu prophetischen Dialog – "Hey Mann, du wirst keine 30 Jahre alt", sagte Keith - "Ich weiß!", sagte Brian.

Seine Majestät lässt bitten: Mit seinem extravaganten Kleidungsstil und jeder Menge Silberschmuck setzt Brian Jones modische Maßstäbe für die Rockstars der 60er Jahre.

Im Juni 1967 besucht Brian Jones das legendäre Monterey Pop Festival. In dem Song "Monterey" von Eric Burdon & The Animals heißt es über ihn: "His majesty Prince Jones smiled as he moved among the crowd, ten thousand electric guitars were groovin' real loud". Für die 10.000 elektrischen Gitarren ist an diesem Wochenende allerdings jemand anders zuständig.

Brian Jones kündigt in Monterey das Konzert des bis dato in den USA völlig unbekannten Jimi Hendrix an und der wird mit seinem Auftritt zur Rocklegende. Hendrix spielt nicht nur E-Gitarre wie von einem anderen Stern, sondern setzt seine Fender Stratocaster auch gleich in Flammen. Brian Jones: "Er war der beste Gitarrist, den ich jemals gehört habe".

Als die Rockmusik allmählich psychedelisch wird, sind die Rolling Stones auch dank Brian Jones musikalisch voll am Puls der Zeit. Der 1968 gedrehte Konzertfilm "Rock and Roll Circus" bleibt allerdings 28 Jahre lang in der Schublade, da die Band nicht ihren besten Tag erwischt. Es ist der letzte Auftritt der Rolling Stones mit Brian Jones.

Nicht nur die Haare werden länger: Brian Jones und Folksänger Donovan setzen 1968 voll auf Bartschmuck. Zu den Aufnahmesessions seiner Band taucht der Rolling Stone immer seltener oder völlig indisponiert auf.

Im Juni 1969 haben die Rolling Stones genug von ihrem unberechenbar gewordenen Bandkollegen und feuern ihn. Als Ersatz wird der Gitarrist Mick Taylor verpflichtet. Drei Wochen später treibt Brian Jones nach einem Gelage tot im Swimmingpool seiner Villa. Er wird 27 Jahre alt.

Unfall oder Mord? Die ungeklärte Todesursache gibt bis heute Anlass für Spekulationen. Es gibt auch eine Theorie, nach der Brian Jones durch einen genervten Handwerker ertränkt wurde. Fest steht jedoch für viele Musikfans, dass die Rolling Stones nie wieder so experimentierfreudig klangen wie mit ihrem tragischen, ehemaligen Bandleader.

Stand: 01.07.2019, 17:35 Uhr