Singende Töchter von berühmten Eltern

Singende Töchter von berühmten Eltern

Von Philip Stegers

Für Sängerinnen wie Norah Jones, Miley Cyrus oder Natalie Cole war es am Anfang ihrer Karriere sicherlich kein Nachteil, einen bekannten Vater zu haben. Doch um auf Dauer als Künstlerin Erfolg zu haben, braucht es mehr als einen berühmten Nachnamen.

Norah Jones gelang 2002 mit "Come Away With Me" ein überraschender Welterfolg mit einem klassischen Jazz-Album. Damit dürfte sie zumindest in der westlichen Welt noch berühmter sein als ihr Vater Ravi Shankar, der zu Lebzeiten ein Superstar in seinem Heimatland Indien war.

Ravi Shankar brachte George Harrison Mitte der 60er das Sitarspielen bei und organisierte mit ihm auch 1971 das "Concert for Bangladesh". Seine Tochter Norah Jones sah der Musiker und Komponist zeitlebens nur sporadisch. Anlässlich seines 100. Geburtstags in diesem Jahr, hatte Norah Jones mit ihrer ebenfalls musizierenden Halbschwester Anoushka Shankar ein Tribut-Konzert für ihren Vater geplant, das allerdings wegen der Coronakrise wieder abgesagt wurde.

Beach Boy Brian Wilson hat gleich zwei singende Töchter. Wendy (links) und Carnie (rechts) erlangten Anfang der 90er für kurze Zeit Berühmtheit mit dem Trio "Wilson Phillips" und ihrer Hitsingle "Hold On". Das dritte Bandmitglied der One Hit-Wonder-Girlgroup ist ebenfalls eine Tochter von berühmten Eltern ...

... Chynna Phillips ist die Tochter von John und Michelle Phillips von "The Mamas & the Papas". Ihr Vater (Bild) starb 2001 an den Folgen seines exzessiven Lebenswandels und auch sie kämpfte bereits als Teenagerin mit Drogenproblemen und später mit einer Angststörung. Um der brachliegenden Karriere von "Wilson Phillips" wieder auf die Beine zu helfen, drehten die drei Sängerinnen 2011 eine Reality-TV-Serie.

Dass aus Charlotte Gainsbourg mal eine erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin werden würde, liegt wohl schon in ihren Genen. Ihre Eltern sind das französische Enfant Terrible Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Charlotte Gainsbourg sang schon als Kind mit ihrem Vater das überaus kontroverse Duett "Lemon Incest", das in Frankreich auf Platz 2 der Charts landete.

Nancy Sinatra feierte ihre größten Erfolge in den 60ern mit "These Boots Are Made For Walkin'" und "Bang Bang (My Baby Shot Me Down)". Sie glänzte zudem als Duettpartnerin von Lee Hazlewood in dem mysteriös-düsteren "Summer Wine". Auch "Something Stupid", ein Duett mit ihrem Vater Frank, landete 1967 weltweit auf Platz 1 in den Hitparaden.

Weihnachten 1967: Dean Martin und Tochter Deana haben die Sinatras zur Bescherung eingeladen. Deana Martin arbeitete ebenfalls in den 60ern mit dem Musikproduzenten Lee Hazlewood zusammen, der große Durchbruch als Sängerin gelang ihr jedoch nie. Erst 2006 erschien ihr Debütalbum "Memories Are Made of This", ein Tributalbum mit Songs von ihrem Vater.

Miley Cirus wurde als Teenagerin berühmt in der Disney-Serie "Hannah Montana", in der auch ihr Vater, der Countrysänger Billy Ray Cyrus, mitspielt. Anschließend fiel sie eine Weile mit freizügigen Musikvideos auf und mit Pressefotos, bei denen sie notorisch ihre Zunge herausstreckte. Dass sie immer noch ungeheuer erfolgreich ist, liegt auch an ihrer großen Wandlungsfähigkeit. Musikalisch fühlt sie sich in der klassischen Countrymusik genauso zuhause, wie im kommerziellen Pop.

Nat King Cole brachte seiner Tochter Natalie schon früh bei, was es braucht, um eine erfolgreiche Sängerin zu werden. Mit ihrem Debütalbum "Inseparable" gewann sie 1975 gleich einen Grammy. In der Folge wurde sie so schwer drogenabhängig, dass sie sich 1981 nicht von der Feuerwehr aus einem brennenden Hotel retten lassen wollte, weil sie gerade Crack rauchte. Nach einem Entzug schaffte sie Anfang der 90er ein großes Comeback mit einem virtuellen Duett von "Unforgettable" an der Seite ihres Vaters.

Eliot Sumner ist die Tochter von Sting und Ehefrau Trudie Styler. Seit 2009 veröffentlicht sie unter dem Bandnamen "I Blame Coco" ihre eigenen Songs, wenn sie nicht gerade als Model arbeitet. Stimmlich klingt sie ganz erstaunlich nach ihrem Vater. In einem Interview erklärte sie 2015, dass sie sich keinem Geschlecht zugehörig fühle.

Mit "Buffalo Stance" wurde Neneh Cherry 1988 über Nacht zum Star. Eine selbstbewusste schwarze Rapperin, die es zudem wagte, hochschwanger bei "Top of the Pops" aufzutreten, hatte die Welt zuvor noch nicht gesehen. Ihr Stiefvater Don Cherry war ein Pionier des Free Jazz, der sie schon als Kind mit auf Tour nahm.

Angesichts ihrer turbulenten Ehen mit Michael Jackson und Schauspieler Nicolas Cage übersieht man leicht, dass Lisa Marie Presley auch immer mal wieder Alben veröffentlicht, auf denen sie singt. Zuletzt erschien 2012 "Storm & Grace", das mit ungemein lässigem Americana-Sound überzeugt, aber leider nicht ganz darüber hinwegtäuschen kann, dass sie stimmlich eher nach ihrer Mutter Priscilla kommt.

Nona Gaye ist die Tochter von Soul-Legende Marvin Gaye. Anfang der 90er Jahre arbeitete sie mit Prince zusammen und veröffentlichte ein Album, das für lange Zeit ihr einziges blieb. Bekannt wurde sie 2003 als Schauspielerin in "Matrix Reloaded" und "Matrix Revolutions". Anschließend wurde es wieder still um sie.

Stand: 04.06.2020, 18:17 Uhr