The Beach Boys: Die kalifornische Hitfabrik

The Beach Boys: Die kalifornische Hitfabrik

Von Philip Stegers

Mit Liedern über das Surfen begründeten die Beach Boys Anfang der 60er ihre Weltkarriere. Mit dem Album "Pet Sounds" gelang der Band um Brian Wilson 1966 ein zeitloses Meisterwerk.

The Beach Boys

Die Brüder Carl (links), Dennis (2.vl.) und Brian Wilson gründen 1961 gemeinsam mit ihrem Cousin Mike Love (Mitte) und Schulfreund Al Jardine eine Band - The Beach Boys. Dennis Wilson schlägt vor, ein Lied über die neue Trendsportart Surfen zu schreiben. Weil ihr erster Song "Surfin’" gut ankommt, folgt ein ganzer Reigen weiterer Surflieder.

Die Brüder Carl (links), Dennis (2.vl.) und Brian Wilson gründen 1961 gemeinsam mit ihrem Cousin Mike Love (Mitte) und Schulfreund Al Jardine eine Band - The Beach Boys. Dennis Wilson schlägt vor, ein Lied über die neue Trendsportart Surfen zu schreiben. Weil ihr erster Song "Surfin’" gut ankommt, folgt ein ganzer Reigen weiterer Surflieder.

Mit ausgefuchsten Harmoniegesängen laden die Beach Boys zur "Surfin’ Safari" ein. Sie lobpreisen den "Noble Surfer", himmeln das "Surfer Girl" an und landen 1963 schließlich mit "Surfin’ U.S.A." einen Welthit. Der sonnige und optimistische "California Sound" wird zum Markenzeichen der Beach Boys. Surfen kann bis auf Dennis Wilson übrigens niemand in der Band.

Brian Wilson ist von Anfang an der Kopf der Beach Boys. Er ist der Hauptsongwriter und Arrangeur der Band. Im Alter von gerade mal 20 Jahren leitet er bereits als Produzent die Tonaufnahmen im Studio. Bald haftet ihm das Image des Pop-Genies an. Sein eigenes Vorbild ist der Musikproduzent Phil Spector, der für seine dichte "Wall of Sound" berühmt ist.

"Barbara Ann", "Fun, Fun Fun", "I Get Around", "Help Me, Rhonda!", "California Girls" - die Beach Boys produzieren ab 1963 Hits wie am Fließband. Drei Alben pro Jahr sind keine Seltenheit. Das Themenspektrum ist inzwischen auch um Autos und Mädchen erweitert.

Wenn die Beach Boys nicht im Studio sind, touren sie nonstop. Der labile Brian Wilson ist für das unstete Tourleben nicht gemacht und erleidet 1964 eine Panikattacke. Infolgedessen tritt er nicht mehr länger mit der Band auf und kümmert sich nur noch um das Songwriting und die Produktion im Studio.

Bruce Johnston (rechts) vertritt Brian Wilson live und wird neues Bandmitglied. Während die tourenden Beach Boys auf der ganzen Welt für kreischende Fans sorgen, experimentiert ihr Mastermind in der kalifornischen Heimat mit psychedelischen Drogen und geht musikalisch ganz neue Wege.

Mit "Pet Sounds" veröffentlichen die Beach Boys 1966 eines der einflussreichsten Alben der Popgeschichte. Bis dato sind Alben eher eine lose Sammlung von Singles und B-Seiten. "Pet Sounds" ist eines der ersten Konzeptalben mit einem verbindenen Thema. Die Songs sind eher introvertiert und behandeln das Erwachsenwerden und den Abschied von der Kindheit. Die atemberaubend schönen Arrangements von Brian Wilson öffnen der Popmusik ganz neue Türen.

Doch nicht alle Beach Boys sind glücklich über so viel Tiefgang. Mike Love möchte bei der alten Erfolgsformel "Sommer, Mädchen, gute Laune" bleiben und keine introvertierten Lieder über Ängste und Orientierungslosigkeit singen. Gemeinsam mit Brian Wilson schreibt er 1966 den Riesenhit "Good Vibrations", das auf dem bereits beworbenen nächsten Album "Smile" erscheinen soll.

"Smile" wird zum Alptraum für Brian Wilson und die Beach Boys. Die Songs bestehen aus zahllosen Fragmenten und bieten eine psychedelische Rundreise durch die amerikanische Zeit- und Musikgeschichte. Die frei assoziierten Texte tragen auch ihren Teil dazu bei, dass Plattenfirma und Teile der Beach Boys das Album ablehnen. Brian Wilson erkrankt während der Produktion an Schizophrenie und erleidet einen Zusammenbruch, der ihn jahrelang weitgehend außer Gefecht setzt. "Smile" bleibt unvollendet.

Ohne ihren kreativen Kopf versuchen die übrigen Beach Boys ab Ende der 60er das Surfbrett auf Kurs zu halten. Doch das gestaltet sich schwierig, denn niemand von ihnen hat das Talent und die Fähigkeiten von Brian Wilson. Sein Bruder Carl kümmert sich verstärkt um die Produktion der nächsten Alben und steuert Songs wie "Feel Flows" und "Long Promised Road" bei.

Auch Dennis Wilson schreibt seine ersten Songs und kauft seinem damaligen Kumpel Charles Manson das Lied "Cease to Exist" ab, das die Beach Boys unter dem Titel "Never Learn Not to Love" aufnehmen. An ihre früheren Erfolge kann die Band trotz gelegentlicher Hits wie "I Can Hear Music" und "Do It Again" nicht mehr anküpfen.

Brian Wilson (oben Mitte) versinkt mit seinem Bruder Dennis (oben rechts) in den 70er Jahren im Drogensumpf. Phasen völliger Antriebslosigkeit wechseln sich bei ihm mit lichten Momenten ab. 1977 produziert er das Beach Boys-Album "Love You", das im Laufe der Jahre zu einem Kultalbum wird.

Ab den 80ern ist Brian Wilson nur noch sporadisch Teil der Beach Boys, was auch an seinem komplizierten Verhältnis zu Cousin Mike Love liegt. Man sieht sich häufiger vor Gericht als im Studio oder auf der Bühne.

Dennis Wilson ertrinkt 1983 im Meer. Carl Wilson stirbt 1998 an Lungenkrebs. Mike Love erstreitet die Namensrechte der Band vor Gericht und schmeißt anschließend Al Jardine raus. Gemeinsam mit Bruce Johnston tourt er seitdem als "The Beach Boys".

2004 überrascht Brian Wilson die Musikwelt: Nach 38 Jahren vollendet er das sagenumwobene "Smile"-Album und veröffentlicht es als neu aufgenommenes Soloalbum.

2012 nehmen die überlebenden Beach Boys anlässlich des 50. Bandjubiläums das Album "That's Why God Made the Radio" auf und gehen noch einmal gemeinsam auf große Welttournee. Ende der Geschichte: Noch während der Tournee feuert Mike Love seine Bandkollegen Brian Wilson, Al Jardine und den Aushilfs-Beach Boy David Marks. Seitdem herrscht Funkstille.

Stand: 26.01.2021, 11:05 Uhr