50. Todestag von Alexandra

50. Todestag von Alexandra

Von Philip Stegers

Mit melancholischen Chansons wie "Zigeunerjunge" und "Sehnsucht" ging der Stern von Alexandra 1967 in Deutschland am Schlagerhimmel auf. Nur zwei Jahre später starb die Sängerin und Songwriterin bei einem tragischen Verkehrsunfall.

Alexandra

Alexandra wird 1942 als Doris Treitz in Heydekrug geboren, im heutigen Litauen. Ihre Familie flüchtet im Krieg nach Norddeutschland, wo sie in Kiel und Hamburg aufwächst. Mit 17 bricht sie die Schule vor dem Abitur ab und bringt sich das Gitarrenspiel bei. Sie arbeitet tagsüber als Grafikerin und tingelt abends singend durch zwielichtige Kneipen.

Alexandra wird 1942 als Doris Treitz in Heydekrug geboren, im heutigen Litauen. Ihre Familie flüchtet im Krieg nach Norddeutschland, wo sie in Kiel und Hamburg aufwächst. Mit 17 bricht sie die Schule vor dem Abitur ab und bringt sich das Gitarrenspiel bei. Sie arbeitet tagsüber als Grafikerin und tingelt abends singend durch zwielichtige Kneipen.

Mit 19 verliebt sie sich in den 30 Jahre älteren russischen Vertreter Nikolai Nefedov. Kurz nach der Heirat 1962 kommt Sohn Alexander zur Welt. Doch die Ehe steht unter keinem guten Stern und scheitert nach zwei Jahren.

Erst nach der Scheidung hat sie das Gefühl, dass ihr Leben so richtig beginnt. Sie besucht eine Schauspielschule, schreibt eigene Songs und legt sich den Künstlernamen "Alexandra" zu, in Anlehnung an den Namen ihres Sohns.

Mit Liedern wie "Zigeunerjunge" und "Sehnsucht" gelingt Alexandra 1967 der Durchbruch. Ihre dunkle und eindringliche Stimme geht unter die Haut, es dominieren die Mollakkorde.

Ihre schwermütigen Lieder passen eigentlich nicht in die heile Schlagerwelt der 60er. Andererseits gibt es in der BRD eine große Sehnsucht nach Russland und der slawischen Seele, wie der Erfolg von "Dr. Schiwago" und Ivan Rebroff in jenen Tagen zeigt. Mit Songs wie "Schwarze Balalaika" oder "Auf dem Wege nach Odessa" trifft Alexandra genau diesen Nerv.

Der folkloristisch-stereotype Anstrich ihrer Lieder gefällt Alexandra nicht. Als selbstbestimmte Künstlerin möchte sie ihre eigenen Songs singen. Eine echte Ungeheuerlichkeit im männerdominierten Schlagergeschäft, in dem Künstler normalerweise brav die Titel singen, die der Produzent für sie aussucht.

Der erfolgreichste Titel aus Alexandras Feder wird "Mein Freund, der Baum". Es ist der erste Song überhaupt in Deutschland, der mit einer Öko-Thematik zum Hit wird. Sie sieht sich als ernsthafte Chansonsängerin und möchte weg vom Schlagerimage.

Alexandra ist eine selbstbewusste und moderne Frau, die sich ganz selbstverständlich als alleinerziehende Mutter präsentiert. Bei der Partnerwahl hat sie wenig Glück. Ihr nächster Verlobter entpuppt sich als dubioser Bigamist, der zudem für den US-Geheimdienst arbeitet.

Februar 1969: Beim Filmball der Europawelle Saar freut sich Alexandra über den Schlagerpreis, gemeinsam mit Roy Black, Vicky Leandros und Rex Gildo. Der ebenfalls prämierte Preisträger Heintje liegt bei der Verleihung aus Altersgründen bereits im Bett.

Der große Erfolg macht Alexandra nicht glücklich. Sie hat einen stressigen Terminkalender, kämpft mit Depressionen und ist tablettensüchtig.

Auf der Fahrt in den Urlaub nach Sylt stirbt Alexandra am 31.Juli 1969 bei einem Verkehrsunfall, den sie selbst verursacht. Ein Gedenkstein erinnert in Tellingstedt an den tragischen Tod der außergewöhnlichen Sängerin.

Stand: 29.07.2019, 12:49 Uhr