Qualität aus der Tiefe

Karte zeigt Herkunft des Trinkwassers in NRW

Wasserarten

Qualität aus der Tiefe

Nordrhein-Westfalen ist ein sehr wasserreiches Land. Nur ein kleiner Teil des riesigen Wasservorkommens wird zur Trinkwasserversorgung genutzt. Doch woher stammt das Wasser eigentlich, das über die Wasserwerke beim Verbraucher landet?

In Nordrhein-Westfalen werden etwa 1,2 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr für die Gewinnung von Trinkwasser genutzt. Das entspricht etwa 0,54 Prozent des tatsächlich vorhandenen Wassers, das im Land zur Verfügung steht. Das Rohwasser stammt dabei aus fünf verschiedenen Quellen: dem Grundwasser, dem angereicherten Grundwasser, dem Quellwasser, dem Oberflächenwasser und dem Uferfiltrat. Alle diese Wasserarten haben ihre Besonderheiten - was vor allem die Wasserversorger merken. Denn je nachdem, welches Rohwasser in erster Linie gefördert wird, unterscheiden sich auch die Anforderungen an die Aufbereitung, um aus dem Rohwasser Trinkwasser zu machen, das den strengen Richtlinien der Trinkwasserverordnung entspricht.

Risiko durch äußere Einflüsse

Beispiel Oberflächenwasser. Vor allem in den Mittelgebirgen wird ein Großteil des Wassers aus Talsperren gewonnen, weil die Förderung des Grundwassers aus großen Tiefen zu aufwändig wäre. Doch in den Talsperren ist das Wasser vielen Einflüssen ausgesetzt. Tiere leben in den Seen und an deren Ufern, und entlang der Zuflüsse wird jede Menge Landwirtschaft betrieben - auf diese Weise kommen Bestandteile ins Rohwasser, die im Trinkwasser nichts zu suchen haben und im Wasserwerk gefunden und entfernt werden müssen.

Große Tiefe für mehr Sicherheit

Etwas anders ist das beim Grundwasser. Bevor das Wasser hier landet, hat es diverse natürliche Filterschichten im Erdreich durchsickert und ist - zumindest in der Regel - vor weiteren Umwelteinflüssen geschützt. Über Brunnen gelangt das Rohwasser in diesem Zustand ins Wasserwerk. "Die sicherste Form der Trinkwassergewinnung, was die Verunreinigung mit chemischen und mikrobiologischen Schadstoffen anbelangt, ist sicher die Grundwasserversorgung", sagt Professor Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Universität in Bonn. Doch in diesen Genuss kommen längst nicht alle Menschen in Nordrhein-Westfalen. Gerade mal 44 Prozent des Rohwassers stammen aus dem Grundwasser. Deutschlandweit liegt dieser Anteil bei fast zwei Dritteln.

Sechs Monate bis ins Wasserwerk

Quellwasser ist eine besondere Form des Grundwassers, das aber an einer bestimmten Stelle aus der Erde austritt. Genau hier liegt aber auch das Risiko des Wassers, wie Hygieneprofessor Martin Exner sagt: "Es kann etwa bei starken Regenfällen zu Einspülungen von Schadstoffen kommen." Auch bei einsamen Quellen im Wald rät er zur Vorsicht: Denn durch Wildtiere könne es auch hier zu einer Belastung des Wassers kommen.

Professor Martin Exner zur Reisewarnung

Hygieneexperte Professor Martin Exner

Besondere Formen des Rohwassers sind das angereicherte Grundwasser und das Uferfiltrat. Angereichert wird das Grundwasser dabei mit Oberflächenwasser oder Uferfiltrat, um den Grundwasserspiegel zu heben. Das Uferfiltrat ist Wasser, das eigentlich aus einem Fluss stammt, aber nicht an der Oberfläche gefördert wird. Vielmehr wird das durch das Flussbett durchsickernde Wasser genutzt. Beide Rohwasserarten haben auf dem Weg bis zur Föderung bereits eine lange, reinigende Sickerphase im Boden hinter sich. Beispielsweise braucht das Uferfiltrat, mit dem das gesamte linksrheinische Köln versorgt wird, etwa sechs Monate vom Rhein bis ins Wasserwerk.

Qualität muss stimmen

Egal wo das Wasser herkommt: Es muss die Vorgaben der Trinkwasserverordnung erfüllen. "Das ist eine der schärfsten Spielregeln für Lebensmittel überhaupt", sp Professor Lothar Scheuer, der wasserpolitische Sprecher des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Wenn Wasser diese Spielregeln einhalte, dann habe es eine hervorragende Qualität. Dennoch gibt es Unterschiede. "Das liegt an der Geologie, über die das Wasser auf seinem Weg vom Regentropfen durch das Gebirge bis zum Wasserwerk geflossen ist", so Scheuer. Denn auf diesem Weg nimmt es die Stoffe auf, über die es geperlt ist. Das hat Einfluss auf den Geschmack, die Wasserhärte aber auch auf die Anforderungen der Aufbereitung. Zum Beispiel an der Ruhr. Dort muss das Rohwasser sehr aufwändig mit Aktivkohle, chemischen und physikalischen Methoden aufbereitet werden - mit entsprechenden Kosten.

Stand: 29.07.2014, 09:46