So lernen Kinder an einer NRW-Talentschule

Vier Menschen sitzen an einem Tisch und sprechen miteinander

So lernen Kinder an einer NRW-Talentschule

Von Andrea Hansen

  • Bildungsministerium fördert insgesamt 60 Schulen
  • Ziel: Bildungserfolg unabhängig von Herkunft
  • Ahlen fördert "Kultur" im Schulleben

Am Donnerstag (12.12.2019) werden die letzten 25 von insgesamt 60 sogenannten Talentschulen vom NRW-Bildungsministerium benannt. Die Sekundarschule in Ahlen im Münsterland gehört bereits dazu.

Aylin und Stanilaus gehen dort in die fünfte Klasse. Sie erleben das Konzept Talentschule in Ahlen als erster Jahrgang. Auf der Sekundarschule spielen sie zusammen Theater. "Ich bin selbstbewusster geworden, seit ich auf der Bühne stehe," sagt Stanislaus. "Das gibt mir ein gutes Gefühl." Aylin merkt, dass das Auswendiglernen der Texte hilft, sich andere Sachen besser zu merken.

Talentschulen sollen in NRW vor allem an sozialen Brennpunkten eine besondere Förderung ermöglichen. Sie unterscheiden sich von anderen Schulen durch eine bessere personelle und materielle Ausstattung. Dazu gehören unter anderem mehr Lehrer, Sozialarbeiter und Computer. Das Bildungsministerium fördert in dem Projekt insgesamt 60 Schulen. Der Versuch dauert bis zum Schuljahr 2025/2026.

Kinder entdecken Talente

Eine Frau und vier Kinder stehen in einem Raum und bewegen ihre Arme

Lernen im Theaterkurs an der Sekundarschule in Ahlen

Nicht nur die Kinder sehen die Projektarbeit so, auch ihre Lehrerinnen Nicole Kröger und Ursula Niehues sind begeistert: "Dieses Kinder stolz machen auf sich selbst, dass sie überrascht sind, was sie eigentlich können und was sie sich zutrauen, das öffnet die Seele und macht den Lehrerberuf so toll."

Theater ist nur ein Teil des Kultur-Konzepts: Auch Ess- und Gesprächskultur gehören dazu. Für Lehrerin Frauke Hantel-Laufenberg ist Kultur der Schlüssel zu vielem: "Wenn wir die Persönlichkeit der Kinder stärken, lernen sie leichter. Die Erfolge stellen sich wie von selbst ein. Es ist wie eine Aufwärtsspirale."

Durch Gesprächskultur das Miteinander stärken

Die dreht sich auch bei der Schülervertretung. Im Kommunikationsseminar haben sie gelernt, respektvoll miteinander umzugehen: "Wie geht es dir heute, ist alles okay mit deiner Familie?" wird Silas heute fast jeden Tag gefragt – das hätte es früher nicht gegeben. "Jetzt setzt man sich neben seinen Freund, versucht herauszufinden, was sein Problem ist und es zu lösen. Man fühlt sich viel besser aufgenommen."

Seine Mitschülerin Lena sieht das ganz ähnlich: "Unsere Klassengemeinschaft hat sich verändert. Weil wir uns nicht mehr nur für uns, sondern auch für andere interessieren, kommunizieren wir besser."

Geld für Fortbildung und neue Stellen

Durch die erfolgreiche Teilnahme am Talentschul-Wettbewerb des Landes sind drei neue Stellen an der Schule geschaffen worden. Nicht nur dafür habe sich die Teilnahme gelohnt, meint Schulleiterin Elisabeth Beier: "Man sieht, was man schon alles tut und was vielleicht noch fehlt." Ihre Stellvertreterin Hantel-Laufenberg ergänzt: "Mir hat mal eine Schülerin gesagt: 'Nur wenn ich innen glänze, kann ich nach außen glänzen.' Das ist es, was wir versuchen zu leben."

Stand: 12.12.2019, 06:00