Stichtag

29. März 2005 - Ernst Jünger wird geboren

"Ich stellte fest, dass ich im ganzen mindestens vierzehn Treffer, nämlich fünf Gewehrgeschosse, zwei Granatsplitter, eine Schrapnellkugel, vier Handgranaten- und zwei Gewehrgeschoss-Splitter aufgefangen hatte, die mit Ein- und Ausschüssen gerade zwanzig Narben hinterlassen hatten", schreibt Ernst Jünger 1920 in seinem ersten Buch "In Stahlgewittern". Darin zieht er seine Bilanz als Leutnant und Kompanieführer im Ersten Weltkrieg. Jünger schildert das Grauen des Krieges emotional unbeteiligt und von moralischen Bedenken unbehelligt: "Der übermächtige Wunsch zu töten beflügelte meine Schritte." Der Vorwurf der Kriegsverherrlichung irritiert ihn nicht. Er ist stolz auf die Verleihung des Ordens "Pour le Mérite", der damals höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung.Ernst Jünger wird am 29. März 1895 in Heidelberg als Sohn eines Apothekers geboren. Er wechselt häufig die Gymnasien. 1911 wird er Mitglied in der Jugendbewegung "Wandervogel". Mit achtzehn Jahren geht er zur Fremdenlegion. Sein Vater holt ihn aber nach sechs Wochen wieder aus Afrika zurück. 1914 macht Jünger das Notabitur und meldet sich am ersten Tag des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger. Das Kriegsende erlebt er im Lazarett. Danach studiert er Zoologie und Philosophie ohne Abschluss. Ab 1925 lebt er als freier Schriftsteller und arbeitet für verschiedene Zeitschriften der nationalen Rechten und der "Konservativen Revolution". 1930 kritisiert er den vorhandenen Antisemitismus als zu wenig effizient: Der "Stoß gegen den Juden" werde zwar unter großem Aufwand betrieben, er sei "aber immer viel zu flach angesetzt, um wirksam zu sein." Ein Jahr später fordert er "Die totale Mobilmachung" in seinem gleichnamigen Buch.

"Mit Hitlers Sudeten-Politik bin ich völlig d'accord"

Die Nazis bemühen sich um Jünger. Er sympathisiert durchaus mit ihren Ideen: "Wir wünschen dem Nationalsozialismus von Herzen den Sieg." Hitler bietet ihm ein Reichstagsmandat an. Doch Jünger hält Distanz: "Goebbels hat später mal gesagt: Wir haben dem Ernst Jünger goldene Brücken gebaut - er ist aber nicht rübergegangen. Da habe ich einen guten Instinkt bewiesen." Jünger zieht sich zurück. 1939 erscheint "Auf den Marmorklippen": Ein machtgeiler Oberförster verbreitet Schrecken in einem heiligen Wald. Die Nazis verstehen das Buch als Kritik. Als Jünger - im Generalstab der Wehrmacht in Frankreich - mit den Verschwörern des 20. Juni sympathisiert, fliegt er aus der Armee. Seine Ruf als Nationalheld bewahrt ihn vor weiterer Abstrafung. Jüngers Kritik an den Nazis ist allerdings nicht grundsätzlich, sie bleibt ambivalent: "Heute noch kann ich Hitler nicht verzeihen, dieses wunderbare Instrument, das unsere Armee ist, missbraucht zu haben", sagt er 1973. Neun Jahre Jahre später offenbart er: "Mit Hitlers Sudetenland-Politik und dem Anschluss Österreichs bin ich noch heute völlig d'accord."Nach dem Krieg sammelt Jünger Käfer und Schmetterlinge, verfasst Tagebücher, Aufsätze und Romane. Ende der 1950er Jahre macht er Drogenexperimente und schreibt darüber. 1982 wird ihm der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main verliehen. Es gibt von allen Seiten Proteste. "Die Grünen im Römer" bezeichnen Jünger als "Wegbereiter des Faschismus". Doch Jünger hat auch Verehrer: Frankreichs Staatspräsident Francois Mitterand besucht Jünger 1993 in seinem Haus in Wilflingen. Zu seinem 100. Geburtstag gratulieren ihm 1995 Bundespräsident Roman Herzog (CDU) und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Ernst Jünger stirbt am 17. Februar 1998 im Alter von 102 Jahren.Stand: 29.03.05