11. März 2005 - DDR-Dissident Robert Havemann wird geboren

Stichtag

11. März 2005 - DDR-Dissident Robert Havemann wird geboren

Erst überhäuft die DDR Robert Havemann mit Orden, dann wird er drangsaliert. Der Chemiker ist nahezu sein gesamtes Leben lang Oppositioneller. Er ist überzeugter Kommunist und dient der DDR anfangs sogar als Stasi-Mitarbeiter. Ab Mitte der 50er Jahre distanziert er sich aber zunehmend von der Staatsführung. Havemann wird 1964 aus der SED ausgeschlossen und verliert seine Professur an der Humboldt-Universität sowie zwei Jahre später die Mitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften. Im November 1976 wird er unter Hausarrest gestellt: "Man will, dass ich auch den Weg der anderen gehe, es vorziehe, hier meine Zelte abzubrechen und mein Heil im Westen zu suchen."  Ein paar Tage zuvor hat die DDR-Führung seinen Freund Wolf Biermann ausgebürgert. Doch auch die Verurteilung in einem Schauprozess wegen eines angeblichen Devisenvergehens bringt Havemann nicht dazu, die DDR zu verlassen. Dafür erscheinen seine systemkritischen Aufsätze und Bücher in der Bundesrepublik.Robert Havemann wird am 11. März 1910 in München geboren. Sein Vater ist Lehrer, seine Mutter Malerin. Er studiert Chemie und wird Mitglied der KPD, während sein Vater der NSDAP beitritt. Trotz seiner kommunistischen Umtriebe gelingt es dem jungen Wissenschaftler 1935 zu promovieren und 1943 zu habilitieren: "Wir gründeten die Widerstandsgruppe 'Europäische Union'." Ihr Ziel ist "ein Europa des Sozialismus, ein Europa der Freundschaft der Völker untereinander, ein Europa, in dem kein Krieg mehr ist". In einem Hochverratsprozess vor dem Volksgerichtshof verurteilt Roland Freisler 1943 Havemann zum Tod. Die Urteilsvollstreckung wird zweimal aufgeschoben, weil er für die Nazis kriegswichtige Forschungen durchführen muss.

1945 wird Havemann von den Sowjets befreit. In der DDR wird er zum hochdekorierten Wissenschaftler. Doch das verordnete Denken widerstrebt Havemann zunehmend. "Wir trafen uns, als er mit dem Dolce Vita der Bonzen brach", sagt Wolf Biermann. "Wir waren beide auf dem Weg in die Karriere eines Oppositionellen, dadurch dass wir zusammenhielten in all den Jahren, war unsere Wirkung politisch gesehen stärker." Havemann bleibt bis zu seinem Lebensende in der DDR. Er nennt das den "aufrechten Gang". Der Systemkritiker stirbt im Alter von 72 Jahren am 9. April 1982 in seinem Haus in Grünheide, östlich von Berlin.Stand: 11.03.05