10. Februar 2005 - Vor 35 Jahren: Erstes deutsches Weight-Watchers-Treffen in Düsseldorf

Stichtag

10. Februar 2005 - Vor 35 Jahren: Erstes deutsches Weight-Watchers-Treffen in Düsseldorf

Anfang der 60er Jahre hat die New Yorker Hausfrau Jean Nidetch genug vom einsamen Kampf gegen ihre 194 Pfunde. Sie lädt Leidensgenossinnen in ihre Wohnung ein, um gemeinsam über gescheiterte Diäten zu diskutieren und das Abnehmen zu organisieren. In Deutschland wäre daraus vielleicht eine Selbsthilfegruppe mit Vereinsstruktur und Förderung durch das Gesundheitsministerium geworden. In den USA dagegen mausert sich die Idee schnell zu einem florierenden Unternehmen. 1963 sitzen schon 50 eingebildete oder tatsächliche, jedenfalls aber zahlende Übergewichtige bei Jean Nidetch im Stuhlkreis.

1970 wagt das Unternehmen die Expansion nach Deutschland. Ausgerechnet in der Karnevalshochburg Düsseldorf treffen sich in den Karnevalstagen, am 10. Februar, einige Fastenwillige im Wohnzimmer von Irmgard und Walter Mayer. Die Gruppe tut, was heute 135.000 Weight Watchers in Deutschland Woche für Woche tun: Sie lassen diskret ihr Gewicht notieren, sie tauschen Erfahrungen und Rezepte aus und sie motivieren sich zum Weitermachen. Die langfristige Veränderung des Essverhaltens kann bei den Weight Watchers sogar eine Karriere bedeuten: Hält man sein Gewicht, fällt auf Dauer die wöchentliche Kursgebühr von etwa zehn Euro fort und über spezielle Lehrgänge kann man Gruppen- oder sogar Gebietsleiterin werden. (Die weibliche Form ist angebracht: Nur fünf Prozent Männer sind unter den Kunden, obwohl Männer weit häufiger übergewichtig sind als Frauen.) So erhält sich das Unternehmen - ähnlich wie beim Prinzip der Produktpartys - selbst.

1978 verkauft Jean Nidetch ihr Unternehmen ausgerechnet an den Ketchup-Konzern Heinz. Der will weniger Gruppendynamik und mehr angeblich diätfreundliche Fertiggerichte absetzen. Das führt zu einer Unternehmenskrise, die erst die Rückkehr zum alten Prinzip beendet.

Seit 1995 gehört das Unternehmen der Investment-Firma Artal. Die bringt es im November 2001 an die Börse. Die von der Stiftung Warentest als "empfehlenswert" bezeichnete Methode der Gewicht-Beobachtung wendet sich seither gleichermaßen an Abnehmer und Anleger.

Stand: 10.02.05