10. Oktober 2005 - Vor 1.325 Jahren: Hussein, Enkel Mohammeds, stirbt als Märtyrer

Stichtag

10. Oktober 2005 - Vor 1.325 Jahren: Hussein, Enkel Mohammeds, stirbt als Märtyrer

Aschura ist der höchste Feiertag der Schiiten. Jedes Jahr in den ersten zehn Tagen des islamischen Monats Muharram gedenken die Gläubigen ihres Märtyrers Hussein. Dabei schlagen sie sich mit den Händen auf die Brust, um symbolisch ihre Trauer über den Tod des Imams zu bekunden. Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mondjahr, so dass die Aschura-Feierlichkeiten in jedem Jahr zehn Tage früher stattfinden. 2005 sind sie im Februar begangen worden. Der Ursprung des Rituals: Am 10. Oktober 680 stirbt Hussein, Enkel des Propheten Mohammed, auf dem Schlachtfeld bei Kerbala. "Nachdem sein ältester Sohn und auch seine letzten Gefährten getötet waren, kämpfte Hussein allein weiter – trotz seiner Wunden an Kopf und Körper", notiert der schiitische Geschichtsschreiber Scheich al-Mufi. "Da beschossen die gegnerischen Bogenschützen Hussein, bis die Pfeile ihn bedeckten wie die Stacheln den Igel." Sein Grab im heutigen Irak wird zur meistbesuchten Wallfahrtsstätte der schiitischen Welt.

Der Tod von Hussein besiegelt die endgültige Trennung der Schiiten von den Sunniten. Die Spaltung des Islam hat ihre Wurzeln in der Regelung der Nachfolge des Religionsgründers Mohammed. Für die Schiiten ist Ali, Vetter und Schwiegersohn des Propheten, der legitime Nachfolger als Oberhaupt der islamischen Gemeinde. Doch Ali wird zunächst übergangen und später ermordet. Im Jahr 680 wagen die Schiiten unter der Führung seines Sohnes Hussein den Aufstand gegen den Kalifen aus dem sunnitischen Clan der Umayyaden. Begleitet von seinen Frauen, Kindern und einigen Anhängern zieht Hussein von Mekka in den Irak, wo die kleine Schar von berittenen Soldaten umzingelt und niedergemacht wird.

Husseins letzte Schlacht bei Kerbala wird seit Jahrhunderten bei den Aschura-Feierlichkeiten von Darstellern nachgespielt – begleitet von Musik und Koran-Rezitationen, in Festzügen und lebenden Bildern. Im Süden des Libanon, in Pakistan und Indien geht es dabei manchmal sehr blutig zu. Dort schlagen sich die Gläubigen mit Schwertern und Ketten auf Kopf und Rücken. Im Iran hat Ajatollah Khomeini diese Art der Geißelungen allerdings verboten. "Blut ist nach allgemein islamischer Auffassung unrein", erklärt der Islamwissenschaftler Heinz Halm. "Auch die Selbstverletzung des Körpers wird vom islamischen Recht in aller Regel nicht gebilligt." Die Aschura ist nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch eine politische Demonstration: Die Schiiten sind in der islamischen Geschichte immer in der Minderheit gewesen und häufig von sunnitischen Machthabern verfolgt worden.

Stand: 10.10.05