11. Februar 2005 - Vor 30 Jahren: Margaret Thatcher wird Chefin der Konservativen

Stichtag

11. Februar 2005 - Vor 30 Jahren: Margaret Thatcher wird Chefin der Konservativen

"Folge nie der Menge, nur weil du Angst hast, anders zu sein", sagt Margaret Thatcher. Ihr Vater habe ihr das "sehr energisch" beigebracht: "Wenn nötig, führe die Menge, aber hüte dich, ihr zu folgen." Die spätere britische Premierministerin spricht wie eine Lady aus der High-Society - ist aber keine. Sie wird am 13. Oktober 1925 als Margaret Hilda Roberts im englischen Grantham geboren. Ihr Vater ist Kolonialwaren-Händler und methodistischer Laienprediger, ihre Mutter Schneiderin. Margaret wird Chemikerin, später Anwältin und Erziehungsministerin. Am 11. Februar 1975 wählen die britischen Konservativen, die Tories, sie zur Vorsitzenden.

Die große Chance kommt 1979: Beim "Aufstand der Unzufriedenen" treten die Londoner Müllmänner in den Streik. Inflation und Zukunftsangst lähmen die Briten. Dank der Müllberge kommt Margaret Thatcher bei den Wahlen im Mai an die Macht. Nach ihrem Sieg zitiert sie Franz von Assisi: "Wo Irrtümer sind, lasst uns die Wahrheit zeigen, wo Verzweiflung herrscht, lasst uns die Hoffnung bringen." Ein Vorgeschmack auf Thatchers Zynismus. Denn sie spaltet das Land in eine Zweidrittel-Gesellschaft. Der größere wohlhabende Teil profitiert, der kleinere sozial schwache Teil verliert. Schnell wird Thatcher unbeliebt, doch das beirrt sie nicht. Sie lehnt jede Änderung ihrer Politik kategorisch ab: "Möge umkehren, wer will. Die Lady kehrt nicht um."

Der Falkland-Krieg als Wahlkampf-Hilfe

1982 besetzt Argentinien die britischen Falkland-Inseln. Thatcher zögert keinen Moment. Sie schickt 36 Kriegsschiffe. Der militärische Sieg der Briten versetzt England in einen patriotischen Siegesrausch und sichert Thatchers Wiederwahl. Nun räumt sie innenpolitisch auf. Thachterismus bedeutet: Staatsbetriebe verkaufen, Steuern senken für die Reichen, kürzen bei den Armen, Subventionen streichen. Alles soll der Inflationsbekämpfung dienen. Die Folge: Fabriken machen zu, Zechen werden geschlossen. Dreieinhalb Millionen Menschen verlieren ihre Jobs. Thatcher legt sich mit der mächtigen Bergarbeitergewerkschaft an. Ein Jahr dauert der Streik, dann bricht er zusammen. Thatcher hat gewonnen. Streiks ohne Urabstimmung werden verboten.

Schließlich sinkt die Inflation, die Produktion wächst. Thatcher wird wieder populär. 1989 fordert der konservative Parteitag: "Zehn weitere Jahre". Doch das Ende ist nah. Den Euro-Tunnel unter dem Ärmel-Kanal hat Thatcher zwar vorangetrieben, doch sie blockiert die Europäische Union. Durch ihren Erfolg wird die Eiserne Lady immer selbstherrlicher. Sie benutzt zunehmend den königlichen Pluralis Majestatis: "Wir sind Großmutter geworden." Zur Arroganz kommen schlechte Wirtschaftsdaten. Im November 1990 ist Schluss. Thatcher muss gehen. Gestürzt von den eigenen Leuten.

Stand: 11.02.05