25. November 2005 - Vor 35 Jahren: Das DDR-Kaufhaus "Centrum" wird eröffnet

Stichtag

25. November 2005 - Vor 35 Jahren: Das DDR-Kaufhaus "Centrum" wird eröffnet

1970 soll ein Jahr der Jugend werden. In der Deutschen Demokratischen Republik laufen die Vorbereitungen für die Weltfestspiele auf Hochtouren. Vor allem der Alexanderplatz in Ostberlin soll zeigen, was im real existierenden Sozialismus möglich ist. Der Boden wird mit einer Sonne gepflastert, in deren Mitte eine Weltzeituhr Solidarität mit den Nationen signalisiert. Und neben Fernsehturm und Palast der Republik soll ein drittes Wahrzeichen entstehen, ein steinernes Symbol der Konsumkraft des Landes: das "Centrum", ein viergeschossiges Warenhaus der Luxusklasse.Zwei Monate lang schleppen Verkäuferinnen und Soldaten der Nationalen Volksarmee in Tag- und Nachtschichten Stehlampen, Blusen, Bettwäsche und Hosen aus anderen  DDR-Kaufhäusern (den so genannten  HO-Märkten) heran, um den Bestand des Neubaus zu füllen. Auch russische Militärs helfen mit und erhalten als Belohnung einen Kooperationsvertrag mit späterem Sondereinkaufsrecht. Am 25. November 1975 eröffnet das "Centrum" am Alex seine Pforten. Stundenlang stehen die Bürger am Eingang Schlange, um dann über den blauen Teppichboden aus Frankreich in die Auslagen voller Papierkleider, Korbtaschen aus Plaste und Jeansstoff vom Meter zu stürmen. Bedient werden sie im Lauf der Zeit von etwa 2.000 adrett gekleideten Angestellten in sandfarben-himmelblauen Polyesterkitteln. Für sie gibt es eigne Frisiersalons und Pediküren. Geht die Ware zur Neige, hilft schnell ein Anruf beim Ministerium für Handel und Versorgung, das im Notfall einfach andere Läden plündert. Hier soll jeder glauben, dass die Planwirtschaft der  DDR keine Lücken kennt.

Auch wenn es im "Centrum" mehr zu kaufen gibt als an irgendeinem anderen Ort in der  DDR, so ist die kapitalistische Insel inmitten eines Meers aus Sozialismus doch auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Wirklichkeit. In die lichtdurchflutete Delegationsabteilung mit ihren Sofaecken und der Eins-zu-Eins-Betreuung zum Beispiel dürfen nur die Bonzen der  SED. Hier liegen italienische Schuhe und Parfüm aus Frankreich in den Regalen.

Stand: 25.11.05