World Digital Library in Paris

Stichtag

21. April 2009 - Die World Digital Library wird eröffnet

Die Originalpartitur von Mozarts "Zauberflöte", ein Steinfragment mit eingravierten Weisheiten von Konfuzius, das Thesenpapier von Martin Luther - das alles und noch viel mehr wird in der sogenannten digitalen Weltbibliothek präsentiert. Die World Digital Library ist am 21. April 2009 im Hauptquartier der UNESCO in Paris eröffnet worden - unter der Adresse "wdl.org" im Internet. Zu den Geldgebern gehören unter anderem Google und Microsoft.

Organisiert wird die digitale Galerie von der Library of Congress, der amerikanischen Nationalbibliothek. Deren Chef hatte auch die Idee für das UNESCO-Projekt: "Die Nutzer können Dokumente sehen, an die sie sonst nie herankämen." Es handele sich um ein typisches Bildungsangebot. "Die Dokumente erzählen nicht die ganze Geschichte, sie sollen die Menschen eher anregen, sich weiterzubilden."

Herausragende Objekte statt Masse

Ziel der World Digital Library ist es, das interkulturelle Verständnis zu fördern und die Vielfältigkeit der Kulturschätze zu dokumentieren. Online gezeigt werden allerdings zurzeit nur rund 10.000 Exponate, die von Bibliotheken und anderen Institutionen in Afrika, Asien, Europa sowie Nord- und Südamerika stammen. Den Machern geht es nicht um Masse. Sie wollen lieber weniger, dafür aber herausragende und repräsentative Objekte aus allen Weltgegenden zeigen.

Noch kommen die meisten eingescannten Gegenstände jedoch vorwiegend aus Europa. Navigieren kann man in der virtuellen Ausstellung geografisch über eine Weltkarte und chronologisch entlang einer Zeitleiste. Der Bestand lässt sich auch mit Stichworten durchsuchen. Neben den sechs offiziellen UNO-Sprachen Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch, kann dabei auch Portugiesisch verwendet werden. Deutsch soll demnächst dazu kommen.

Digitalisieren gegen das Vergessen

"Die größte Herausforderung besteht meiner Meinung nach darin, Publikum zu gewinnen", sagt John van Oudenaren, der Direktor der World Digital Library. "Heutzutage hängen vor allem die jungen Leute auf den Seiten sozialer Mediendienste wie Facebook, Twitter und Youtube fest." Deshalb laute für alle kulturellen Einrichtungen die Frage: "Wie bekommen wir unsere großartigen Inhalte an die Leute?"

Im Internetzeitalter bleibt Bibliotheken und Archiven wohl nichts anderes übrig, als weiter zu digitalisieren, sagt Barbara Schneider-Kempf. Ansonsten könnten die historischen Schätze in Vergessenheit geraten. Sie ist Generaldirektorin der Berliner Staatsbibliothek, die Mozarts "Zauberflöten"-Partitur zur World Digital Library beigesteuert hat. "Was nicht im Netz ist, wird nicht mehr gesehen, beachtet, wahrgenommen."

Stand: 21.04.2014

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