Brennende Bohrinsel "Piper Alpha" am 7.7.1988

Stichtag

6. Juli 1988 - Explosion der Ölbohrinsel "Piper Alpha"

Der Tod auf "Piper Alpha" lauert direkt unter den Schlafkammern der Besatzung. Ursprünglich waren die Mannschaftsräume der Bohrinsel weit entfernt vom gefährlichen Produktionsbereich installiert worden. Doch seit einem 1980 durchgeführten Umbau der Öl-Plattform für die Gasförderung befinden sich die Schlafräume direkt über der kritischen Förderzone. Auf eine Nachrüstung der Brandschutzwände wurde aus Kostengründen verzichtet.

Als am Abend des 6. Juli 1988 die Bohrinsel 180 Kilometer vor dem schottischen Aberdeen explodiert, liegen die meisten Arbeiter in den Kojen. Zunächst kommt es zu einer kleineren Detonation, verursacht durch Gas, das aus einem defekten Ventil entweicht. Durch ausfließendes Öl breiten sich die Flammen auf der ganzen Plattform aus. Nun ist die größte Katastrophe der Öl- und Gasförderung in der Nordsee nicht mehr aufzuhalten.

Nasse Handtücher gegen giftige Dämpfe

Gegen 22.50 Uhr explodiert eine zweite Gasleitung. Die Wucht der Detonation zerreißt den 34.000 Tonnen schweren Stahlkoloss; der größte Teil von "Piper Alpha" versinkt im Meer. Einige Arbeiter der Nachtschicht retten sich durch einen Sprung aus 30 Meter Höhe in die Nordsee vor dem Feuerball. Aus dem Schlafbereich dagegen ist ein Entkommen so gut wie unmöglich. Bob Ballantyne gehört zu den wenigen, die das Inferno überlebt haben: "Wir haben uns in Wasser getränkte Handtücher ums Gesicht gewickelt wegen der Dämpfe, die waren zum Ersticken."

167 Menschen finden in der Flammenhölle den Tod, nur 62 Männer können von zufällig in der Nähe liegenden Rettungsschiffen aus dem Wasser geborgen werden. "Die Unglücksursache war letztlich organisatorischer Art. Menschliches Versagen, kombiniert mit technischen Fehlern", erklärt Jörg Feddersen, Energie-Experte der Umweltorganisation Greenpeace. "Man hat Dinge übersehen, was dann dazu geführt hat, dass Gas ausgetreten ist." Durch den Einbau einer neuen Gasleitung waren die Routineabläufe auf der Bohrinsel durcheinander geraten.

Unglücksliste wird immer länger

Vor allem aber, so Feddersen, habe es der amerikanische Plattformbetreiber Occidental Petroleum komplett versäumt, Sicherheitssysteme für den Fall einer Gasexplosion auf der umgerüsteten "Piper Alpha" zu installieren. Erst nach drei Wochen gelingt es dem Team des legendären Öl-Feuerwehrmanns Red Adair, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Eine Umweltkatastrophe durch auslaufendes Öl kann verhindert werden. Nach dem Unglück erarbeitet eine Untersuchungskommission über 100 Verbesserungsvorschläge für den Betrieb von Bohrinseln.

Dennoch ereignen sich auf allen Meeren weitere schwere Unfälle. März 2001: Vor Brasilien versinkt "P-36", die weltgrößte Ölplattform, nach Explosionen im Ozean. Juli 2005: Ein Versorgungsschiff rammt die Plattform "Bombay High North" im Indischen Ozean. Sie gerät in Brand; 22 Arbeiter sterben. April 2010: Im Golf von Mexiko explodiert die Förderinsel "Deepwater Horizon". 800 Millionen Liter Öl laufen aus und verursachen eine der größten Umweltverseuchungen aller Zeiten. Jedes Mal fällt das abschließende Urteil von Experten gleich vernichtend aus: Bei Einhaltung der Sicherheitsstandards hätte die Katastrophe verhindert werden können.

Stand: 06.07.2013

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.