3. Oktober 2006 - Vor 780 Jahren: Franziskus Bernardone stirbt in Assisi

Stichtag

3. Oktober 2006 - Vor 780 Jahren: Franziskus Bernardone stirbt in Assisi

Getauft wird er 1182 im umbrischen Assisi auf den Namen Johannes Baptista, aber sein Vater Pietro Bernardone nennt ihn nur "Francesco" - vielleicht, weil die Mutter Französin ist, vielleicht, weil der reiche Tuchhändler gerade von einer Handelsreise aus Frankreich zurückkehrt. Sein Sohn wird zunächst, wie Pietro ihn sich wünscht: ein fröhlicher Halbstarker. Als Franziskus aber gegen die Nachbarstadt Perugia in den Krieg zieht, gerät er für ein Jahr in Gefangenschaft und kehrt dann sehr verändert zurück. Er wird fromm, verschenkt immer mehr Familieneigentum an Arme. Schließlich hat er eine Vision: "Geh und baue mein Haus wieder auf", hört er Christus sagen. Franz nimmt das wörtlich und beginnt, eine verfallene kleine Kirche in der Nähe eigenhändig wieder aufzubauen. Der erboste Vater zerrt ihn vor den Bischof. Hier zieht sich Franz nackt aus und erklärt: "Ab jetzt werde ich nur noch Vater unser im Himmel sagen, nicht mehr Vater Pietro Bernardone."
Franziskus beginnt ein Leben als Wanderprediger in völliger Armut. Nur mit einem Sack bekleidet, mit einem Strick als Gürtel, sorgt sich Franziskus um Arme und Aussätzige und sammelt Gefährten um sich. Die Bruderschaft wird innerhalb weniger Jahre zu einer Massenbewegung. Franziskus nennt sie "jokatores domini", Schausteller Gottes, denn sie sollen das wahre Christentum wie Gaukler auf den Straßen und Jahrmärkten verkörpern. Franziskus reist sogar bis Ägypten, wo ein christliches Heer gegen Sultan al-Kamil kämpft. Franz diskutiert tagelang mit dem Sultan über den Glauben und reist unbehelligt wieder ab.

Die Lebenspraxis des Bettelmönchs ist ein deutliches Zeichen gegen die reiche, mächtige Kirche, gegen die Gewalt der Kreuzzüge und Ketzerkriege. Aber er gibt sich kirchentreu, verbreitet keine Irrlehren, ist also unangreifbar. Kurz vor seinem Tod verfasst er ein Testament , in dem er seine Ordensbrüder zur absoluten Armut verpflichtet. Auch die Klöster der Franziskaner sollen keinerlei Eigentum besitzen und ihre Brüder sollen niemals in den höheren Klerus aufsteigen. Franz weiß, dass sich sein Orden schon zu einer behäbigen Institution zu wandeln beginnt. Der Gründer stirbt am 3. Oktober 1226 in seiner Geburtsstadt.
Papst Gregor IX. spricht Franziskus schon zwei Jahre später heilig, zugleich aber erklärt er sein Testament für rechtlich nicht bindend. Die Franziskaner spalten sich über die Armutsfrage. Radikale Jünger des Franziskus predigen, Jesu Jünger hätten ursprünglich alle ohne Eigentum gelebt. Diese Armutsfraktion wird bald an den Rand gedrängt und verketzert. Die Mehrheit der Franziskaner will einen erfolgreichen Orden: bescheiden, aber nicht mittellos. Der Theologe und spätere Ordensobere Johannes Bonaventura schreibt eine gereinigte Franziskus-Biografie, die das Bild des friedlichen, den Vögeln predigenden Heiligen prägt. Sein Biograf lebt nicht mehr bettelnd auf der Straße, sondern als Universitätsprofessor in Paris.

Stand: 03.10.06