17. Dezember 2004 - Vor 65 Jahren: Selbstversenkung der "Admiral Graf von Spee"

Stichpunkt

17. Dezember 2004 - Vor 65 Jahren: Selbstversenkung der "Admiral Graf von Spee"

Elf Tage vor dem offiziellen Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 läuft die "Admiral Graf von Spee" aus Wilhelmshaven aus. Das deutsche Panzerschiff zählt zu den modernsten Schiffen der Welt. Es ist schneller als die großen englischen Schlachtkreuzer. Kapitän Hans Langsdorff bekommt den Befehl, auf "Kaperfahrt" zu gehen. Er soll feindliche Handelsschiffe aufspüren und versenken. Die "Graf Spee" nimmt südlichen Kurs und versenkt auf ihrer Fahrt neun britische Schiffe - kleine Frachter, die Kohle, Mais, Gefrierfleisch, Wolle oder Zinkerz geladen haben. Kommandant Langsdorff, Offizier alter kaiserlicher Schule, lässt jeweils die Besatzung von Bord gehen, bevor er die Handelsschiffe versenkt.Die britische Marine geht zum Gegenangriff über: 22 Kriegsschiffe suchen im Südatlantik die "Graf Spee", die wie ein Geisterschiff zwischen Afrika und Südamerika ihren Opfern auflauert. Langsdorff trickst: Vorne am Schiff lässt er eine Bugwelle anpinseln, um höhere Geschwindigkeit vorzutäuschen. Ein zweiter Schornstein aus Holz soll die Identifizierung erschweren. Vor der Rückfahrt nach Deutschland will Langsdorff noch einen gemeldeten Konvoi aus Handelsschiffen versenken. Doch stattdessen trifft die "Graf Spee" am 13. Dezember 1939 vor Uruguay auf drei englische Kriegsschiffe. Langsdorff greift sofort an. 60 britische und 30 deutsche Marinesoldaten werden getötet. Es ist die erste Seeschlacht des Zweiten Weltkriegs. Die "Graf Spee" wird schwer beschädigt und flüchtet in den neutralen Hafen von Montevideo, wo Hunderte das Gefecht vom Ufer aus verfolgt haben.

Großbritannien macht bei der Regierung von Uruguay Druck: Dem deutschen Schiff wird für den Aufenthalt im Hafen eine Frist von 72 Stunden gesetzt - für eine Reparatur zu wenig Zeit. Als am 17. Dezember 1939 das Ultimatum um kurz vor 20 Uhr endet, strömen wieder Zuschauer zum Hafen. Die "Graf Spee" läuft aus - und explodiert. Langsdorffs letzter Trick: Da sein Schiff der britischen Armada nicht entkommen kann, lässt er seine Mannschaft heimlich ins benachbarte Argentinien bringen und schickt die "Graf Spee" mit Sprengstoff und Zeitzündern an Bord auf ihre letzte Fahrt. Die wenigen Besatzungsmitglieder dieser Aktion verlassen das Schiff kurz vor der Detonation. Adolf Hitler in Berlin tobt. Zukünftig erhalten alle Schlachtschiffe den Befehl, bis zur letzten Granate zu kämpfen. Zwei Tage nach der Selbstversenkung der "Graf Spee" legt sich Hans Langsdorff auf eine Reichskriegsflagge und erschießt sich. Die meisten der 1.100 deutschen Seeleute überleben den Krieg in der argentinischen Internierung.

Stand: 17.12.04