26. Dezember 2004 - Vor 230 Jahren: Christian Ferdinand Öchsle wird geboren

Stichtag

26. Dezember 2004 - Vor 230 Jahren: Christian Ferdinand Öchsle wird geboren

Ob ein Wein gut (und teuer) werden kann, erkennt der Winzer schon an der Traube - nämlich an ihrem Zuckergehalt. Den bestimmt der Weinbauer heute durch ein kleines optisches Gerät, den Refraktometer, direkt im Weinberg. Das Ergebnis gibt er in "Öchsle-Graden" an. "Ein guter Wein muss mindestens 75 Grad haben", schreibt Christian Ferdinand Öchsle vor 200 Jahren und macht seinen Namen damit unsterblich - obwohl er weder die alte Mostwaage noch den modernen Refraktometer erfunden hat. Der Grund für seine Berühmtheit ist einzig die von ihm entwickelte Messskala mit den Öchsle-Graden, die es erlaubt, den Zuckergehalt des Weins besonders genau abzulesen.Öchsle ist noch nicht einmal Winzer, sondern ein Goldschmied. Aber er ist ein Tüftler wie schon sein Vater. Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1774 in der Nähe von Baiersbronn geboren, macht Öchsle nach seiner Lehre in Pforzheim eine Werkstatt auf. Hier erfindet er so sinnige Dinge wie Thermometer aus Glas oder Elfenbein, Thermometer, die zugleich Uhren sind und einen Wecker, der zugleich eine Kerze anzündet.

Die Mostwaage gibt es damals schon. Sie besteht aus einem durch Bleischrot beschwerten Glaszylinder, den man im Traubenmost schwimmen ließ. Weil Zucker schwerer ist als Wasser, ist der Most um so süßer, je weniger tief das Messgerät eintaucht. Öchsle versieht diese Mostwaage mit einer Skala von hundert Graden. Und er bringt seine genauere Messmethode den Weinbauern in einer Broschüre bei. "Man fülle ein Glas mit Most. Dann tauche man die Waage, nachdem man die Scale einige Male durch den Mund gezogen hat, damit kein Schmutz daran hänge, in den Most, und sehe, wo sie stehen bleiben will. Eine Hauptsache ist es übrigens, die Waage nach dem Anfeuchten der Scale noch einmal zu betrachten, ob sich kein Speichel angehängt hat, welcher die Scale manchmal nicht tief genug einsinken macht."Heute muss der Winzer bei der Wein-Prognose sein Messgerät nicht mehr ablecken. Aber seinen "Öchsle" führt er dennoch jeden Herbst im Munde, denn er weiß:  "Öchsle gut - Wein gut."

Stand: 26.12.04