22. Dezember 2004: Nicolae Ceausescu wird gestürzt

Stichtag

22. Dezember 2004: Nicolae Ceausescu wird gestürzt

Es soll eine der üblichen Jubelkundgebungen werden. Die Bewohner von Bukarest sind aufgerufen, am 21. Dezember ihren "Conducator", ihren Führer auf dem Georghiu-Dej-Platz zu feiern. "Das Licht, das selbst der Sonne trotzt", wie der Diktator von seinen Höflingen gepriesen wird, will dem Volk und der Welt zeigen, dass er die Lage immer noch im Griff hat – trotz vereinzelter Unruhen im Lande, die sich an der Versetzung eines regimekritischen Priesters aus Temesvar entzündet haben. Doch aus der geplanten Demonstration der Stärke wird ein Dokument der Niederlage. "Nieder mit Ceausescu" und "Nieder mit der Diktatur" rufen die Menschen, als der 71-jährige Herrscher auf dem Balkon des ZK-Gebäudes zu ihnen reden möchte. Das Fernsehen stoppt die Direktübertragung und sendet stattdessen Marschmusik. Als es sich später wieder einschaltet, ist ein heiserer und wild gestikulierender Ceausescu zu sehen, der sich über Faschisten und vom Ausland gesteuerte Hooligans beschwert.

Einen Tag später versucht Ceausescu erneut, zu den Tausenden zu reden, die sich wieder im Herzen Bukarests eingefunden haben. Doch er kommt gar nicht zu Wort, zu laut sind die Sprechchöre, die seinen Sturz fordern. Elena Ceausescu zieht ihren Mann vom Balkon. Wenig später startet ein Hubschrauber vom Dach des ZK-Gebäudes, die Flucht des Ehepaares beginnt – und ist wenige Stunden später schon zu Ende. Die beiden werden 70 Kilometer nordwestlich von Bukarest aufgegriffen. Zu diesem Zeitpunkt feiert das staatliche Fernsehen bereits die Befreiung von der Schreckensherrschaft. "Der Tyrann ist geflohen, das Volk hat gesiegt", verkündet der Dichter Mircea Dinescu. Eine "Front für das Wohl des Vaterlandes" unter dem ehemaligen Außenminister Corneliu Manescu übernimmt die Macht.

Erschießung an Weihnachten

Die rumänische Revolution ist aber keine 'samtene' wie im Nachbarland Tschechoslowakei. Bis zuletzt hetzt der Herrscher seine Geheimpolizei Securitate auf die Demonstranten. Doch die reguläre Armee schlägt sich auf die Seite der Protestierenden und verhilft ihnen zum Sieg. Ceausescu und seine Frau, die stellvertretende Ministerpräsidentin, werden vor ein Sondergericht gestellt und am 25. Dezember 1989 hingerichtet.

Die Ceausescus hinterlassen ein geschundenes Land. Die mit brachialer Gewalt vorangetriebene Industrialisierung hat Tausende Dörfer zerstört, der Großteil der Rumänen lebt in bitterer Armut, in Hunger und Kälte, mit der europaweit niedrigsten Lebenserwartung und höchsten Kindersterblichkeit. Nur langsam erholt sich Rumänien von der bleiernen Zeit. Im Jahr 2007 möchte das Land der EU beitreten.

Stand: 22.12.04