04. Dezember 2004 - Vor 90 Jahren: Wilhelm Karmann wird geboren

Stichtag

04. Dezember 2004 - Vor 90 Jahren: Wilhelm Karmann wird geboren

Die zündende Idee hat Wilhelm Karmann 1953, ein Jahr nach der Übernahme der väterlichen Karosseriefirma in Osnabrück: Ein sportlicher Zweisitzer muss her - kombiniert mit dem robusten Motor des VW Käfers. Luigi Segre, der Chef von Ghia in Turin, wird in den Plan eingeweiht. Heimlich kauft er einen Käfer und setzt eine neu designte Karosserie auf das Fahrgestell. VW-Chef Heinrich Nordhoff ist von dem Coupé mit den fließenden Linien und den rundlichen Formen so begeistert, dass der dem Bau des Wagens spontan zustimmt. Der VW-Karmann-Ghia wird zum Verkaufsschlager, über 360.000 Exemplare werden gebaut - auch wenn er als "Hausfrauen-Porsche" und "Sekretärinnen-Ferrari" tituliert wird: Das Auto sieht zwar aus wie ein Sportwagen, ist aber mit 30 PS und 115 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit weit entfernt von sportlichen Rekorden.

Wilhelm Karmann wird am 4. Dezember 1914 geboren. Als 19-Jähriger tritt er als Praktikant in das elterliche Unternehmen ein. Sein Vater hatte die Firma 1901 als Pferdewagen-Fabrik erworben. Bereits ein Jahr später wurde die erste Autokarosserie, weitgehend aus Holz, für Dürkopp in Bielefeld gebaut. Die Spezialität des Unternehmens aber sind Cabriolets - die Luxuskonstruktionen der Automobilindustrie. Wilhelm Karmann besucht von 1935 bis 1937 die Fachschule für Karosserie- und Fahrzeugbau in Berlin und arbeitet dort anschließend in seinem Beruf. Im September 1939 kehrt er als Juniorchef nach Osnabrück zurück, wo mit Kriegsbeginn die Produktion auf Flugzeugteile und Benzinkanister umgestellt wird. Karmann wird 1941 Soldat und baut nach der Rückkehr 1945 das zerstörte Werk wieder auf. Drei Jahre später werden bereits Cabrios für VW gefertigt. Hinzu kommen Karosserien für Porsche, BWM, Opel, Ford und andere. Karmann liebt offene Autos: Es gibt kaum ein Modell, dem er nicht das Dach abtrennt. Seine Strategie hat Erfolg: Ende der 1950er Jahre baut er in Brasilien ein Zweigwerk auf. Anfang 1990 zieht sich Wilhelm Karmann aus dem Betrieb zurück. Er stirbt am 25. Oktober 1998 im Alter von 83 Jahren.

Stand: 04.12.04