08. Dezember 2004 - Vor 150 Jahren: Papst Pius IX. verkündet das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens

Stichtag

08. Dezember 2004 - Vor 150 Jahren: Papst Pius IX. verkündet das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens

Bei "unbefleckter Empfängnis" denken viele daran, dass Maria wunderbarer Weise als Jungfrau die Mutter Jesu wurde. Doch so einfach ist das nicht: Am 8. Dezember feiert die katholische Kirche die "Empfängnis Mariens" durch ihre Mutter Anna. Neun Monate später, am 8. September, feiert sie konsequenter Weise "Mariä Geburt". Der Beginn der Schwangerschaft Marias mit Jesus liegt naturgemäß neun Monate vor Weihnachten, am 25. März ("Mariä Verkündigung"). Soviel zum sakralen Schwangerschaftskalender. Aber was ist nun die "unbefleckte Empfängnis"?

Als Pius IX. am 8. Dezember 1854 in Rom die "unbefleckte Empfängnis Mariens" zum unumstößlichen Glaubenssatz, zum Dogma erklärt, geht es nicht darum, dass Maria Jungfrau war, obwohl sie Jesus gebar. Das steht für den Papst sowieso fest, wird es doch auch im Neuen Testament berichtet. Pius IX. will die Reinheit der Gottesmutter aber noch eine Generation zurück verlegen: Dem Papst geht es darum, dass Maria von der Erbsünde ausgenommen sei, also von Anfang an von aller Schuld frei. Auch wenn die Schwangerschaft von Jesu Großmutter Anna ansonsten eine ganz natürliche war.

Die Lehre, die Pius den Katholiken vorschreibt, gibt es zwar schon seit dem Mittelalter. Aber ebenso lang ist sie unter den Theologen umstritten. Ihre Verteidiger wollen ausschließen, dass Gott in einer sündigen Frau zur Welt kommt. Ihre Gegner kritisieren, damit werde Maria aus der Menschheit ausgegliedert. Nicht nur die Protestanten lehnen das ab.

Pius IX. geht es in seiner recht einsamen Entscheidung noch um etwas anderes: Er möchte die päpstliche Autorität herausstellen. Ganz allein entscheidet er, was in der Kirche seit Jahrhunderten unklar ist. 16 Jahre später wird er auf dem Konzil im Vatikan die päpstliche Unfehlbarkeit erklären lassen, auch dies gegen starke Widerstände unter den Bischöfen. Die Marienentscheidung ist gewissermaßen die Generalprobe auf die eigene Unfehlbarkeit. Kritik an der unsicheren Tradition des neuen Dogmas begegnet der Papst mit dem Satz: "Die Tradition bin ich!"

Die Reaktionen der Gläubigen auf das Dogma, das sie nun glauben sollen, bleiben bis heute gering. Die meisten wissen nicht recht, worum es geht und denken eben an die Jungfräulichkeit. An der Verwechslung ist die kirchliche Lehre nicht unschuldig: Schließlich hat die Erbsünde seit ihrem "Erfinder" Augustinus viel mit Sexualität zu tun. Wer ahnt da schon, dass ausgerechnet die "unbefleckte Empfängnis Mariens" beim ganz normalen Sex ihrer Eltern zu Stande kam?

Stand: 08.12.04