12. März 2009 - Vor 25 Jahren: Heinz Oskar Wuttig stirbt in Berlin

Stichtag

12. März 2009 - Vor 25 Jahren: Heinz Oskar Wuttig stirbt in Berlin

Sein Arbeitsplatz liegt über den Dächern von Berlin. Heinz Oskar Wuttig schreibt seine Drehbücher für das deutsche Fernsehen in seinem Büro im fünften Stock eines alten Mietshauses in Berlin-Wilmersdorf. Dort entstehen ab den frühen 60er Jahren Erfolgsserien, die ein breites Publikum ansprechen. Es sind idyllische Alltagsgeschichten mit bodenständigen Typen. Das Feuilleton hingegen straft ihn mit Verachtung: zu flache Unterhaltungsware. Dabei betreibt Wuttig genaue Milieustudien. Für "Alle meine Tiere", eine Serie über eine Tierarztpraxis mit Gustav Knuth, quartiert er sich bei einer Tierarzt-Familie ein. Bevor er "Der Forellenhof" schreibt, die Geschichte eines familiengeführten Schwarzwald-Hotels, wohnt er vier Wochen lang in einem Hotel mit Forellenzucht. Für die Zirkusserie "Salto Mortale" reist er wochenlang mit einem Zirkus, und für die Binnenschiffer-Serie "MS Franziska" fährt Wuttig auf einem Boot zwischen Basel und Rotterdam mit. Nur bei "Die drei Damen vom Grill" verzichtet er auf eine intensive Milieustudie: "Mit Curry-Würsten können sie mich jagen."

Der am 19. Juli 1907 in Berlin geborene Wuttig ahnt schon in der Schulzeit, dass er Autor wird. "Ich schrieb gute Aufsätze", erinnert er sich später. "Ich bin eben einfach ein Erzähler, ein Fabulierer." Um seiner verwitweten Mutter finanziell nicht auf der Tasche zu liegen, nimmt Wuttig als Teenager  in den 20er Jahren Gelegenheitsjobs an, unter anderem als Sommerkellner, Nachtwächter und Straßenarbeiter. Er lernt aber auch zwei Berufe: Bankbeamter und Maurer. Zwischendurch studiert er einige Semester Germanistik und Kunstgeschichte. Bei seiner Arbeit als Regieassistent am Englischen Theater lernt er die Schauspielerin Marlise Ludwig kennen. Als die beiden 1935 heiraten, ist er 28 Jahre und sie 49 Jahre alt. Zum diesem Zeitpunkt schreibt Wuttig bereits seit vier Jahren Hörspiele für den Rundfunk. Im Zweiten Weltkrieg gerät er als Soldat 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrt erst 1950 nach Deutschland zurück.

Wuttig schreibt weiter Hörspiele. Für "Nachtstreife" wird er 1953 mit dem renommierten Preis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Er erzählt darin vom Leben eines Polizisten und seiner Arbeit in der Nacht. Wuttig beginnt, auch Drehbücher für das Kino zu verfassen. Seine bekannteste Arbeit ist "Die 1.000 Augen des Dr. Mabuse". Regie führt Fritz Lang. In den frühen 60er Jahren kehrt Wuttig dem Radio den Rücken zu. "Das ist typisch, dass Autoren, die für das Leitmedium Radio geschrieben haben, nun zum beginnenden Leitmedium Fernsehen wechseln", sagt Hans Ulrich Wagner, Leiter der Forschungsstelle zur Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland. Wuttig wird zu einem der erfolgreichsten Drehbuch-Schreiber der deutschen Fernsehgeschichte. Er stirbt am 12. März 1984 im Alter von 76 Jahren in Berlin an Herzversagen.

Stand: 12.03.09