Stichtag

06. August 2008 - Vor 130 Jahren: Buchstabenordnung von Tastaturen patentiert

Mark Twain ist sauer. "Bitte lassen Sie meinen Namen künftig bei jeder Reklame aus dem Spiel", schreibt er an die Firma Remington. "Erwähnen Sie bitte nicht einmal die Tatsache, dass ich eine Schreibmaschine besitze. Ich habe deren Verwendung nämlich vollständig eingestellt." Grund für den Schreibstreik ist allerdings keineswegs Twains Unzufriedenheit mit dem Gerät. Vielmehr will sich der Schriftsteller vor Anfragen seiner Briefempfänger retten. Ständig müsse er Auskunft geben, wie er denn mit seinem Gerät zufrieden ist, sagt Twain. "Ich schreibe nicht gern Briefe, und deshalb wünsche ich nicht, dass jedermann Kenntnis hat von meinem Besitz dieses Neugierde erweckenden Spielzeugs."

Twain ist einer der wenigen Besitzer einer Remington-Schreibmaschine für 125 Dollar, die zunächst in 1.000 zumeist unverkauften Exemplaren hergestellt wird. Erfunden hat sie der Mechaniker Christopher Latham Sholes aus Milwaukee, der einen privaten Tüftlerzirkel gegründet hat. Das "Spielzeug" ist ein eher unhandlicher, schwierig zu bedienender Apparat. Die Typenhebel schlagen so auf die Walze, dass man das, was man geschrieben hat, erst lesen kann, wenn man sie hochgehoben hat. Zudem sind die Buchstaben alphabetisch von A bis Z angeordnet. Die Folge: Immer wieder verhaken sich die einzelnen Typenhebel von oft gebrauchten Buchstaben ineinander.

Wieder weiß Sholes Rat. 1868 entwickelt er eine Tastaturanordnung, bei der die am häufigsten benutzten Buchstaben möglichst weit voneinander entfernt stehen. Da zu dieser Zeit noch jeder nach der Ein-Finger-Suchmethode schreibt, ist dies eine praktikable Lösung. 1878 lässt sich Sholes seine Erfindung patentieren - und setzt damit bei der Tastaturbelegung Maßstäbe. Benannt wird sie nach den ersten Buchstaben der Tastatur - im englischsprachigen Raum Q-W-E-R-T-Y, im deutschsprachigen Q-W-E-R-T-Z. Ende des 19. Jahrhunderts werden Schreibmaschinen mit dieser Anordnung in den Bürostuben zum Renner - und dies, obwohl bei jedem Tastenschlag rund ein Kilogramm aufs Papier gedrückt werden muss. Niemand stellt Sholes Tastatur ernsthaft in Frage, obwohl sie als unergonomisch gilt. Selbst im Computerzeitalter hat sie sich noch gehalten.

Stand: 06.08.08