05. Juni 2008 - Vor 125 Jahren: Jungfernfahrt des Orient-Express

Stichtag

05. Juni 2008 - Vor 125 Jahren: Jungfernfahrt des Orient-Express

Einmal stoppt der Orient-Express kurz hinter Wien auf freier Strecke. Da wechselt ein bürgerlich gekleideter Herr von seinem Waggon in die Lokomotive und gibt sich dem Lokführer und dem Heizer als König Ferdinand von Bulgarien zu erkennen. Als der Monarch in einen blauen Arbeitskittel schlüpft, das Kommando übernimmt und den Luxuszug Richtung Heimat lenkt, hagelt es Proteste der im Zug verharrenden gekrönten Häupter, später ziehen Diplomaten nach Bulgarien. Sie sollen Ferdinand zu verstehen geben, dass er gegen die royale Etikette verstoßen hat und dass der Orient-Express, der mit Dienern in Livree und Gourmetköchen ebenso wie mit dicken Teppichen, Seidenrollos und Porzellan aus China ausgestattet ist, nicht sein Privatvergnügen ist.

Am 5. Juni 1883 startet der "Train d'Orient" in Paris zu seiner Jungfernfahrt. Ausgestattet ist er mit neuartigen Drehgestellschlafwagen, die die Reise für Passagiere so angenehm wie möglich machen sollen. Für die 40 handverlesenen Gäste endet die Fahrt allerdings bereits am rumänischen Donauhafen Giurgiu. Erst sechs Jahre später fährt der Orient-Express weiter bis nach Istanbul. Fortan entwickelt er sich zum liebsten Vehikel der Reichen und Berühmten, darunter Mata Hari, Charles de Gaulle  und Aga Khan. Im Wagen 2914 wird nach dem Ersten Weltkrieg der Waffenstillstand unterzeichnet. Und als der Zug 1931 bei einem Bombenattentat beschädigt liegen bleibt, gibt die mitreisende Tänzerin Josephine Baker eine Spontanvorstellung, um die eingeschlossenen Passagiere abzulenken.

Endgültig weltberühmt wird das rollende Grand Hotel durch einen Mordfall, bei dem einer der Passagiere mit zwölf Messerstichen getötet wird. In Agatha Christies mehrfach verfilmtem Roman "Mord im Orientexpress" (1934) entlädt sich die kriminelle Energie der High Society in Jugoslawien zwischen Vinkovci und Brod. 1977 beginnt der amerikanische Milliardär James Sherwood, die alten, in alle Welt verstreuten Waggons aufzukaufen und zu restaurieren. Heute verkehrt der Orient-Express wieder auf der ursprünglichen Strecke zwischen Paris und Istanbul. Mit rund 6.500 Euro pro Fahrt ist man dabei.

Stand: 05.06.08