Stichtag

17. Juli 1932: Geburtstag des Mobbing-Forschers Heinz Leymann

Jung oder alt, Chef, Sekretärin oder Schüler: Mobbing kann jeden treffen. Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Tierreich und bezeichnet die aggressive Gegenoffensive eines Beutetiers gegen den Angreifer. Heute gehört schikanöses Verhalten beinahe schon zum ganz normalen Berufsalltag. Den volkswirtschaftlichen Schaden schätzen Experten inzwischen auf mehrere Milliarden Euro jährlich. Die Betroffenen, in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen, leiden unter psychischen und psychosomatischen Erkrankungen bis hin zu schweren Depressionen und Selbstmordgedanken. Vorsichtigen Schätzungen zufolge ist jeder fünfte Suizid auf Psychoterror am Arbeitsplatz zurückzuführen.

Den Grundstock zur Erforschung des Phänomens Mobbing legt  der schwedische Arbeitswissenschaftler Heinz Leymann. Sein Buch "Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz" (1993) gilt bis heute als Standardwerk. Geboren wird Leymann am 17. Juli 1932 in Wolfenbüttel. 1955 übersiedelt er nach Schweden, wird Staatsbürger seines Gastlandes und verfasst 1978 seine Dissertation zum Thema Arbeitspsychologie. Fortan konzentriert Leymann seine wissenschaftlichen Forschungen auf die Grabenkriege und Guerilla-Taktiken im Arbeitsalltag. Seine grundlegende These: Ursache für Mobbing ist nicht das Opfer, sondern die Organisation, Gestaltung und Leitung der Arbeit.

Dank Leymanns systematischer Grundlagenforschung können Opfer von ständigen Beleidigungen, Verleumdungen, Intrigen oder gar körperlicher Gewalt heute mit Verständnis und Hilfe rechnen. Gewerkschaften, Selbsthilfeorganisation und Arbeitsrechtler stehen den Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite. Mobbing-Pionier Leymann sieht sich in seinen letzten Jahren immer häufiger selbst als Zielscheibe kollegialer Anfeindungen. Kritikern seiner Analysen wirft er unsolide Forschung und Publizierung nicht bewiesener Behauptungen vor. Einem engen Mitarbeiter vertraut Leymann an, wie sehr er unter dem Mobbing seiner Konkurrenten leide. Mit nur 66 Jahren erliegt Heinz Leymann 1999 in Stockholm einem Krebsleiden.

Stand: 17.07.07