01. Mai 1882: Berliner Philharmonisches Orchester gegründet

Stichtag

01. Mai 1882: Berliner Philharmonisches Orchester gegründet

Anno 1882 überspannt Berlins Hofmusikdirektor Benjamin Bilse den Bogen endgültig: Der für seinen Geiz berüchtigte Kapellmeister verlangt von seinen überarbeiteten und unterbezahlten Musikern, bei niedrigstem Honorar mit der Eisenbahn vierter Klasse zu einem Gastspiel nach Warschau zu reisen. Widerspruch zwecklos, die Folge ist ein handfester Skandal. 54 Ton-Künstler verlassen Knall auf Fall die renommierte Bilsesche Kapelle und gründen ein eigenes Orchester. Notariell verpflichten sich die Meuterer am 1. Mai 1882 zu "gegenseitigem unverbrüchlichem Zusammenhalten" und geben sich eine eigene Verfassung als GmbH, deren Anteile ihnen selbst gehören. Das ist die Geburtsstunde des Berliner Philharmonischen Orchesters.

Zum ersten Chefdirigenten wählt sich das Orchester den Liszt-Schüler Hans von Bülow. Da es in Preußens Metropole keinen geeigneten Konzertsaal gibt, wird eine Rollschuhbahn, der "Skating Rink ", zur Philharmonie umgebaut. Erst 1944 fällt sie Fliegerbomben zum Opfer. Unter der Stabführung von Bülows, eines unerbittlichen Perfektionisten und der seines Nachfolgers Arthur Nikisch avancieren die Berliner Philharmoniker zum künstlerisch reifsten Orchester der Welt. Alle Komponisten von Rang drängen sich danach, mit den Berlinern eigene Werke aufzuführen, so etwa Johannes Brahms, Peter Tschaikowsky oder Richard Strauß.

1922 beginnt die insgesamt 32 Jahre dauernde Ära von Wilhelm Furtwängler am Pult der Philharmoniker. Er erschließt dem Orchester mit Werken von Bartók, Strawinsky und Hindemith neue musikalische Welten. Nach 1933 gelingt es Furtwängler immer weniger, sich der Vereinnahmung durch das Dritte Reich zu entziehen, was ihm nach Kriegsende ein Entnazifizierungsverfahren einträgt. Furtwänglers Nachfolger auf Lebenszeit wird, nach einer Interimsphase von Sergiu Celibidache, 1955 der Österreicher Herbert von Karajan. Ebenso genial und virtuos wie geschäftstüchtig, führt er das Orchester nicht nur in neue musikalische Höhen, sondern nutzt auch strategisch das gesamte Vermarktungspotenzial der Musikindustrie. 1989 kommt es zum Bruch zwischen Orchester und Chefdirigent. Die Musiker wählen Claudio Abbado zum Nachfolger, dessen Aufgabe dann 2002 der heutige Leiter der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle  übernimmt. 

Stand:01.05.07