01. Oktober 1934: Petar "Radi" Radenkovic wird geboren

Stichtag

01. Oktober 1934: Petar "Radi" Radenkovic wird geboren

"Bin i Radi, bin i König" – selbstbewusst trällert sich der Torwart Petar Radenkovic 1965 in die deutschen Charts. Der Jugoslawe, am 1. Oktober 1934 in Belgrad geboren, ist der erste Popstar der jungen Bundesliga – nicht nur wegen seines Ausflugs ins Show-Business. Aufregender sind für viele Fans die Ausflüge des Torstehers von TSV 1860 München bis in den Strafraum des Gegners. "Er hat immer gesagt, er ist der beste Rechtsaußen bei 1860, das war sicherlich übertrieben, aber es war für die Zuschauer immer ein großer Spaß", erinnert sich später sein Mitspieler Alfred Heiß.

Auf jeden Fall ist Radenkovic ein Torhüter der Spitzenklasse, mit gutem Stellungsspiel und ausgezeichneten Reflexen. Weil Funktionäre seinen Wechsel zum jugoslawischen Spitzenclub Roter Stern Belgrad verhindern, verlässt Radenkovic 1960 seine Heimat Richtung München. Doch der Traum von einer Karriere im Westen scheitert zunächst, bei Bayern München kommt der Belgrader über ein Probetraining nicht hinaus. Beim zweiten Anlauf, nach einem Zwischenspiel in der Heimat, klappt es besser: Der Oberligist Wormatia Worms verpflichtet den ehrgeizigen Fußballer, und in der pfälzischen Provinz entdeckt ihn Max Merkel, Trainer von 1860 München. Von 1962 bis zum Ende seiner Karriere 1970 spielt Petar Radenkovic für die "Löwen", mit ihnen erringt er große Erfolge – den Pokal 1964, die Meisterschaft 1966. Ein Jahr zuvor spielt TSV 1860 in London um den Europacup der Pokalsieger. Spaßvogel Radenkovic reist mit Monokel, Regenschirm und Melone nach London. Trotz einer respektablen Leistung verlieren die Münchner 0 : 2 gegen West Ham United.
Noch während seiner aktiven Zeit steigt Radenkovic, bayrisch-volkstümlich "Radi" genannt, in die Werbebranche ein. Im Club zettelt er eine Revolte gegen Trainer Merkel an – weil der ihn mit der Verpflichtung des Torwarts Wolfgang Fahrian unter Druck setzt. Merkel muss gehen, hat im Rückblick aber noch lobende Worte für das schlitzohrige Original: "Der Radi hat mich Jahre meines Lebens gekostet, ein Original, heute möchte ich sogar behaupten: ein Genie zwischen den Pfosten", sagt Merkel Jahre später. Dem Fußball ist Radenkovic treu geblieben – als Berater für den jugoslawischen Fußballverband und Besucher von Heimspielen des TSV 1860 München.


Stand: 01.10.04