22. August 1786: Das "Journal des Luxus und der Moden" erscheint

Stichtag

22. August 1786: Das "Journal des Luxus und der Moden" erscheint

1786: Friedrich Justin Bertuch ist in Weimar ebenso bekannt wie Johann Wolfgang Goethe. Bertuch betreibt ein großes Verlagshaus, ist ein universal gebildeter Mensch und nah am Zeitgeist. Am 22. August bringt er als Erster in Deutschland eine Zeitschrift für Frauen auf den Markt. Das "Journal des Luxus und der Moden" erscheint als etwa 30 Seiten starke Lose-Blatt-Sammlung. Diese Form ermöglicht - so schreibt Bertuch im Vorwort - "immer zeitig genug Nachricht, genaue Beschreibung, Farbe und Zeichnung von jeder neuen Mode und Erfindung zu liefern, so wie sie in Frankreich, England, Deutschland und Italien erscheint."Die "Dame von Stand", die betuchte Adlige also, liest im Journal nicht nur über "Kleidung, Putz, Schmuck, Nippes, Tisch- und Trinkgeschirre", sondern informiert sich auch über Trends bei "Zimmereinrichtungen und Verzierungen, Gärten und Landhäusern". So erfährt sie etwa, dass frau jetzt eine Nachthaube auch beim Ausgehen unter dem Chapeau trage, während der Pelz außer bei Reisen aus der Mode gekommen sei.

Auch modische Kontroversen werden im "Journal" diskutiert, in denen erstaunlich emanzipierte Argumente vorgetragen werden. So etwa beim Streit um die "Schnürbrust". Die Befürworterin dieses Kleidungsstücks schreibt: "Die Schnürbrust hält den Leib ohne Anstrengung in einer geraden Stellung, sie schützt ihn im Winter vor Erkältung und ohne sie wird der schlanke Wuchs nicht gebildet, der doch nach dem Urteile der Männer ein wesentliches Stück der Schönheit ausmacht." Die Gegnerin verweist darauf, dass die Frauen in England das lästige Utensil längst abgelegt hätten. "Die Schnürbrust ist eine der widersinnigsten Erfindungen, ein Feind unserer Gesundheit, unseres frohen Mutes und der glücklichen Fortpflanzung."1827 wird das Journal eingestellt. Längst hat es Nachfolger bekommen, die populärer sind, weil sie sich auch an bürgerliche Frauen wenden. Der Marktführer im 19. Jahrhundert heißt lange "Dies Blatt gehört der Hausfrau", im 20. Jahrhundert kurz "Brigitte".

Stand: 22.08.06