01. Juli 1976: Letzter offizieller Exorzismusfall Deutschlands

Stichtag

01. Juli 1976: Letzter offizieller Exorzismusfall Deutschlands

Am 1. Juli 1976 erhält die Staatsanwaltschaft in Aschaffenburg einen merkwürdigen Anruf. Ein Geistlicher namens Ernst Alt vermeldet den Tod einer jungen Frau. Er habe versucht, ihr den Teufel auszureiben, gibt er an. Der Teufel sei aber stärker gewesen.Die "Besessene" heißt Anneliese Michel. Wie ihre drei Schwestern wird sie streng katholisch großgezogen. Mit 16 Jahren erleidet das kränkelnde Kind seinen ersten epileptischen Anfall. Allmählich verselbständigen sich die Gruselbilder aus den Predigten und den Geschichten ihrer Eltern in Michels Kopf: Dämonen mit schrecklichen Fratzen suchen sie heim, Stimmen stören ihren nächtlichen Schlaf. In ihrer Verzweiflung wendet sich die Familie an den Exorzisten Alt. Dieser erhält vom Würzburger Bischof den amtlichen Auftrag, der jungen Frau den Teufel auszutreiben. Durch Gebete und das Schwenken des Kruzifixes versucht Alt, die Dämonen zur Aufgabe zu zwingen. Während der Teufelsaustreibung schreit Michel und tritt um sich. Sie trinkt ihren eigenen Urin, beißt Löcher in die Wand und bricht sich dabei die Zähne ab. Die Obduktion wird später Tod durch Verhungern feststellen. Zuvor hatte Michel mit letzter Kraft um Lossprechung gebeten.

1978 werden die Eltern und der Exorzist in diesem letzten offiziellen Exorzismusfall Deutschlands wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt. Laut Auskunft der im Prozess gehörten Psychologen wäre Michels Wahn heilbar gewesen. Obwohl inzwischen bekannt ist, dass der Körper der Frau nach ihrem Tod verweste, glauben bis heute viele Menschen an eine "heilige" Mission der jungen Frau. Immer noch pilgern Katholiken an ihr Grab nach Klingenberg im Spessart. "Sie hat sich dafür bereit erklärt zu leiden und zu sühnen", sagt eine Frau: "für Deutschland, fürs Vaterland und für die deutsche Jugend".

Stand: 01.07.06