04. November 2004 - Vor 105 Jahren: Sigmund Freuds "Traumdeutung" erscheint

Stichtag

04. November 2004 - Vor 105 Jahren: Sigmund Freuds "Traumdeutung" erscheint

In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1895 erwacht der Wiener Psychiater aus einem Traum, der ihn verwirrt. Er sieht darin seine Patientin Irma bei einem Empfang, nimmt sie beiseite und beginnt, ihr Vorwürfe zu machen. "Ich sage ihr: Wenn du noch Schmerzen hast, so ist es wirklich nur deine Schuld. Sie antwortet: Wenn du wüsstest, was ist jetzt für Schmerzen habe, im Hals, Magen, Leib. Ich erschrecke und sehe sie an. Sie sieht bleich und gedunsen aus."Der Traum beunruhigt den Arzt. Bei den alten Ägyptern oder auch in der Bibel hätten Traumdeuter wohl versucht, in ihm einen Hinweis auf die Zukunft zu finden. Freuds Zeitgenossen hätten die Fantasie des Schlafs eher als Unsinn abgetan. "Träume sind Schäume", sagt der Volksmund. Und tatsächlich weiß Freud doch, dass seine Patientin Irma nicht an ihren Schmerzen schuld  ist und dass sie gar nicht  krank aussieht. Aber Freud lässt der Traum nicht los. Er beginnt Träume - eigene und fremde - zu sammeln und zu analysieren. Seine Schlüsselidee: Träume äußern geheime Wünsche. Was wir bewusst nicht denken dürfen, verschlüsselt das Unbewusste in der Nacht zu symbolischen Geschichten. Der Traum wird für Freud zum Königsweg zur Seele, zum Eingangstor in das Unbewusste.

Das Buch zu seiner Theorie veröffentlicht Freud am 4. November 1899. Aber sein Verleger lässt als Erscheinungsdatum das Jahr 1900 hineindrucken. Die "Traumdeutung" von Sigmund Freud soll ein Jahrhundertbuch sein. Mit ihr beginnt die Psychoanalyse. Der damals 39 Jahre alte Seelenarzt wird zu einer Berühmtheit, bei der sich andre Berühmtheiten auf die Couch legen und ihre Träume erzählen. Seine Psychoanalyse beeinflusst Philosophie, Kunst und Literatur. Schüler wie Carl-Gustav Jung oder Alfred Adler entwerfen alternative Theorien.
1939 muss der Jude Freud vor den Nationalsozialisten nach London fliehen. Hier stirbt er noch im gleichen Jahr an einem langjährigen Krebsleiden.

Stand: 04.11.04