20. Oktober 2006 - Vor 95 Jahren: Grete Schickedanz wird geboren

Stichtag

20. Oktober 2006 - Vor 95 Jahren: Grete Schickedanz wird geboren

Für Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist sie die "First Lady der deutschen Wirtschaft": Grete Schickedanz, Chefin der Firma Quelle. "Es war mir sicher nicht in die Wiege gelegt, einen Lebensweg zu gehen, der mich zu diesen Höhen führen würde", sagte Grete Schickedanz rückblickend. "Der Werdegang wäre allerdings nicht möglich gewesen, ohne die ideale Partnerschaft mit meinem Mann Gustav Schickedanz." Geboren wird die Geschäftsfrau am 20. Oktober 1911 in Fürth als Grete Lachner. Sie ist die dritte Tochter einer armen Familie. Obwohl sie Klassenbeste ist, muss sie mit 15 Jahren die Schule verlassen und Geld verdienen. Im Januar 1927 beginnt sie eine kaufmännische Lehre bei der Firma "Gustav Schickedanz Kurzwaren en gros", aus der im Herbst das Versandhaus Quelle hervorgeht.

Zwölf Stunden und mehr arbeitet die minderjährige Grete täglich. Manchmal betreut sie auch die Kinder der Familie Schickedanz. Dann geschieht ein Unglück, das ihr Leben verändert: Gustav Schickedanz verliert bei einem Autounfall Frau und Sohn und liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Grete kümmert sich um die überlebende Tochter Louise und erweist sich als Stütze des Betriebs. Sie steigt zur Leiterin des Einkaufs auf und ist für den 16 Jahre älteren Chef bald seine "engste Mitarbeiterin" - so heißt es offiziell. Quelle entwickelt sich in den 30er Jahren zu einem erfolgreichen Versandunternehmen. Der Katalog erscheint in einer Auflage von über zwei Millionen Exemplaren. Als Mitglied der NSDAP profitiert Gustav Schickedanz von der politischen Lage und der Ausschaltung der jüdischen Konkurrenz. Im Oktober 1935 wird er Ratsherr der Nazis im Fürther Stadtrat. 1942 heiratet Schickedanz sein ehemaliges Lehrmädchen. Ein Jahr später kommt Tochter Madeleine zur Welt, die von Kindermädchen erzogen wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führt Grete Schickedanz den Betrieb zunächst allein. Ehemann Gustav hat wegen seiner Verstrickungen in der Nazizeit Berufsverbot von den Amerikanern bekommen. Erst 1949 wird er rehabilitiert und kehrt ins Unternehmen zurück. Grete Schickedanz konzentriert sich auf den Einkauf: Sie ordert große Mengen und lässt in Billiglohnländern produzieren. Bekannt wird sie durch ihr Geleitwort und ihr Foto im Quelle-Katalog. Nach dem Tod ihres Mannes 1977 wird ihr Schwiegersohn neuer Konzernchef. Zum Schickedanz-Imperium gehören mittlerweile auch Brauereien, Möbelhäuser und eine Windelfabrik. Grete Schickedanz übernimmt mit Quelle das Stammhaus. 1987 zieht sie sich aus dem Tagesgeschäft zurück, sechs Jahre später auch aus den Aufsichtsgremien. Grete Schickedanz leidet in den letzten Jahren ihres Lebens an Alzheimer-Symptomen. Sie stirbt am 23. Juli 1994 im Alter von 82 Jahren in Fürth.

Stand: 20.10.06