10. April 1941 "Unabhängiger Staat Kroatien" wird gegründet

Stichtag

10. April 1941 "Unabhängiger Staat Kroatien" wird gegründet

Frühjahr 1941, Beginn des "Unternehmens Strafgericht", angeordnet von Adolf Hitler: Belgrad liegt unter deutschem Dauerbeschuss aus der Luft. Während tausende Belgrader im Bombenhagel sterben, rücken Bodentruppen der Wehrmacht von Norden gegen das Königreich Jugoslawien vor. Gleichzeitig fallen die Verbündeten Nazi-Deutschlands aus Süden und Osten ein: Italiener, Ungarn, Bulgaren. Pro-britische serbische Offiziere hatten zuvor in Belgrad geputscht. Für Hitler der Anlass, um Jugoslawien anzugreifen und zu zerstückeln. Dabei setzt der "Führer" auf die Ustascha-Bewegung, einen terroristischen Geheimbund, der seit Jahren vom italienischen Exil aus für die Befreiung Kroatiens kämpft.

Als die ersten deutschen Panzer am Gründonnerstag 1941 durch die Vorstädte Zagrebs rollen, erklärt ein Vertreter der Ustascha-Bewegung im Rundfunk die Unabhängigkeit: "Gottes Vorsehung und der Wille unseres großen Verbündeten haben es gefügt, dass heute, vor der Auferstehung des Gottessohnes, auch unser unabhängiger Staat Kroatien aufersteht." Aufgrund ihres Bekenntnisses zum Katholizismus begrüßt der Vatikan die Machtübernahme der Ustascha-Bewegung. Der neue Staat wird als faschistischer Führerstaat organisiert. Staatschef von Hitlers Gnaden wird Ante Pavelic: "Ich will mein Volk hochführen und den Beweis erbringen, dass Kroaten keine Slawen sind, sondern blut- und artmäßig sich letztlich zum Germanentum bekennen." Außenpolitisch lässt Pavelic den Besatzungsmächten freie Hand. Innenpolitisch strebt der Rechtsanwalt deutsche Verhältnisse an, wie sein Minister Mladen Lorkovic ausführt: "Das kroatische Volk muss all die ausländischen Elemente, die für dieses Volk ein Unglück (...) sind, (...) vernichten. Diese Elemente sind die Serben und Juden." Muslime hingegen sollen integriert werden. Einige von ihnen kämpfen in der SS-Division Handzar.

"Wahnsinnige Ausrottungspolitik und Gräueltaten"

Schon kurz nach Gründung des "Unabhängigen Staates Kroatien" kommt es zu Massakern an orthodoxen Serben - zum Teil mit Billigung von Vertretern der katholischen Kirche. Es entstehen 27 Konzentrationslager: 13 kroatische, acht italienische und sechs deutsche. Der deutsche General in Zagreb, Edmund Glaise von Horstenau, kritisiert "die Ustascha-Bewegung mit ihrer wahnsinnigen Ausrottungspolitik und ihren Gräueltaten". Hitler lehnt jedoch eine Amtsenthebung von Pavelic ab. Die Kroaten, sagt er, möge man "sich austoben lassen". Allein im kroatischen Konzentrationslager Jasenovac werden rund 85.000 Häftlinge ermordet - Serben, Juden, Kroaten und Roma.

Gegen die Ustascha-Diktatur und die Besatzer kämpfen verschiedene bewaffnete Gruppen. Neben königstreuen Serben, die sich zu Tschetnik-Verbänden zusammenschließen, leisten auch oppositionelle Kroaten Widerstand. Die kommunistischen Partisanen werden vom späteren jugoslawischen Staatschef Tito angeführt. Er behält schließlich die Oberhand. Im Mai 1945 drängt seine "jugoslawische Volksbefreiungsarmee" die deutschen Besatzer samt kroatischen Truppen und Ustascha-Milizen über die Grenze nach Österreich, wo sie sich der britischen Armee ergeben. Doch nur die Deutschen werden gefangen genommen. Die rund 100.000 übrigen Soldaten werden an Tito ausgeliefert. Beim anschließenden Massaker von Bleiburg und auf dem so genannten Kreuzweg ins Landesinnere sterben zwischen 45.000 und 55.000 Kroaten und Muslime.

Stand: 10.04.06