02. Januar 2006 - Vor 5 Jahren: Erstmals Frauen in Kampfeinheiten der Bundeswehr

Stichtag

02. Januar 2006 - Vor 5 Jahren: Erstmals Frauen in Kampfeinheiten der Bundeswehr

Tanja Kreil ist Egoistin. So nennt sie sich selbst. Die ehrgeizige Auszubildende in Anlagenelektronik will "was erreichen, meine Zukunft gestalten". Weil ihr Arbeitgeber sie Mitte der neunziger Jahre nicht übernehmen will, wirft sie sich auf den Arbeitsmarkt. Auch bei der Abteilung Waffenelektronik der Bundeswehr bewirbt sie sich. Dort landet ihre Bewerbungsmappe sofort im Papierkorb. Denn Kreil darf nicht das, was sie gerne will. Ausgerechnet das Grundgesetz verbietet ihr den gewünschten Lebensweg. "Frauen dürfen auf keinen Fall Dienst an der Waffe leisten", steht da in Artikel 12 a, Absatz 4, im zweiten Satz. Eine Frau soll Leben schenken, meinen die zumeist männlichen Politiker des deutschen Bundestages, nicht im Auftrag des Staates die Demokratie verteidigen und gegebenenfalls sogar töten dürfen. Eine Karriere als Waffenelektroniker aber setzt eine normale Soldatenlaufbahn voraus.Kreil will sich damit nicht zufrieden geben. Die selbstbewusste junge Frau geht durch alle Instanzen. Bis zum Europäischen Gerichtshof bringt sie ihre Klage. Der entscheidet, dass das Grundgesetz gegen die Gleichstellung von Mann und Frau verstoße. Seitdem dürfen Frauen nicht nur in der Sanitätsabteilung der Bundeswehr Verbände wechseln oder in der Militärkapelle spielen, wie es bereits seit 1975 nach einer Initiative von Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) der Fall gewesen war. Seitdem dürfen sie auch Dienst an der Waffe leisten. Nun lautet der entsprechende Satz im Artikel 12a des Grundgesetzes: "Frauen dürfen auf keinen Fall zum Dienst an der Waffe verpflichtet werden" – ein Satz, der seinerseits wehrpflichtige Männer an der Gleichstellung von Mann und Frau zweifeln lässt. So oder so: Am 2. Januar 2001 meldeten sich die ersten Frauen zur Offizierslaufbahn an.

Die Ironie der Geschichte will, dass Tanja Kreil nie zur Abteilung Waffenelektronik stößt. Als sie gewonnen hat, will sie gar nicht mehr zur Bundeswehr. Sie hat längst in einem anderen Unternehmen einen lukrativen Job gefunden.

Stand: 02.01.06