03. Oktober 2005 - Vor 15 Jahren: Die DDR tritt der Bundesrepublik Deutschland bei

Stichtag

03. Oktober 2005 - Vor 15 Jahren: Die DDR tritt der Bundesrepublik Deutschland bei

Mit der Entscheidung ist Gregor Gysi nicht glücklich. "Das Parlament hat nicht weniger als den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik zum 3. Oktober beschlossen", sagt der Vorsitzende der  SED-Nachfolgepartei PDS am Rednerpult in Ost-Berlin. Vorausgegangen sind stundenlange Parlamentsdiskussionen über Sinn und Unsinn eines Beitritts der  DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Am Ende stimmt die Volkskammer in einer Sondersitzung im August 1990 mit 294 zu 106 Stimmen für die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Als Termin hat man sich einer Idee von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) angeschlossen. Der promovierte Historiker hatte ein Datum vorgeschlagen, das durch kein anderes Ereignis der deutschen Geschichte vorbelastet ist.Am 3. Oktober 1990 um Mitternacht ist es soweit: Nach gut vierzig Jahren verschwindet die DDR von der politischen Landkarte. Laut Einigungsvertrag vollzieht sie ihren "Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland". Unter Glockengeläut und mit einem gewaltigen Feuerwerk feiern die jubelnden Menschen das Ereignis. Von nun an ist der 3. Oktober als "Tag der deutschen Einheit" der deutsche Nationalfeiertag. In seiner Fernsehansprache dankt Kohl all jenen Kräften, die die Wiedervereinigung möglich machten: zunächst den amerikanischen Freunden, dann dem sowjetischen Regierungschef Michail Gorbatschow, der mit seiner Weigerung zum Truppenaufmarsch dafür sorgte, dass der SED-Diktatur der militärische Rückhalt fehlte und die Montagsdemonstrationen auf den Straßen der DDR bis zum Ende friedlich blieben. Und Kohl dankte den Demonstranten selbst, deren Leitspruch "Wir sind das Volk" sich allmählich in den Slogan "Wir sind ein Volk" verwandelte.

An diesem Tag gehen die Worte von Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) fast im Freudentaumel unter. "Sich vereinen heißt teilen lernen", mahnt er seine alten und neuen Mitbürger. An den wirtschaftlichen und sozialen Problemen der elf Tage später neu eingerichteten Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden "Wessis" und "Ossis" noch eine ganze Weile zu knabbern haben. Die Mauer in den Köpfen ist noch lange nicht eingerissen.


Stand: 03.10.05