20. September 2005 - Vor 50 Jahren: Vertrag zwischen UdSSR und DDR

Stichtag

20. September 2005 - Vor 50 Jahren: Vertrag zwischen UdSSR und DDR

"Was ist der Unterschied zwischen Freunden und Brüdern? Seine Freunde kann man sich aussuchen." In der DDR fällt dieser Spruch unter die Kategorie politischer Witz, denn seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Sowjetunion ihr großer Bruder - und als solcher nicht von allen gewollt. Eine Vereinbarung zwischen den beiden Ländern soll die Vasallenrolle der DDR in dieser ungleichen Beziehung zumindest formal beenden. Das Gedränge ist groß, als sich die DDR-Regierungsdelegation vom Flughafen Berlin-Schönefeld aus auf den Weg nach  Moskau macht. "Wir fahren als Freunde zu Freunden", erklärt Walter Ulbricht als Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED.Ein knappe Woche bleibt die  DDR-Delegation in Moskau. Die  DDR-Zeitungen berichten täglich an prominenter Stelle: "Staatsverträge  DDR- UdSSR vorgeschlagen". Der Aufwand in der Berichterstattung ist nachvollziehbar. Denn der Sieger des Zweiten Weltkrieges schließt einen Freundschaftsvertrag mit dem Besiegten, der Angegriffene mit dem Angreifer - und das zehn Jahre nach Kriegsende. Allerdings machen es sich die Bruderstaaten leicht, denn eine politische Verantwortung für die Nazi-Zeit muss in der  DDR niemand übernehmen. "In unserem Staat sind die Lehren aus der Geschichte gezogen worden", erklärt  DDR-Rundfunk-Kommentator Karl-Eduard von Schnitzler. "In unserem Staat haben wir den Kräften des Krieges jede Grundlage entzogen." Reparationszahlungen muss der ostdeutsche Staat allerdings trotzdem leisten.

Am 20. September 1955 ist es soweit: "Um 17.45 Uhr fand im Kreml die Unterzeichnung des Vertrags über die Beziehung zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken statt", heißt es auf einer Pressekonferenz. Die Vertragspartner bestätigen feierlich, dass die Beziehung zwischen ihnen auf völliger Gleichberechtigung, gegenseitiger Achtung der Souveränität und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten beruhen. Vereinbart ist auch, dass die Sowjettruppen "vorläufig" auf  DDR-Territorium stationiert bleiben. Hauptziel des Vertrags sei "die Wiedervereinigung Deutschlands auf friedlicher und demokratischer Grundlage".


Stand: 20.09.05