23. August 2005 - Vor 220 Jahren: Preußens erste Dampfmaschine in Betrieb

Stichtag

23. August 2005 - Vor 220 Jahren: Preußens erste Dampfmaschine in Betrieb

Carl-Friedrich Bückling ist ein treuer Untertan des Königs. Friedrich der Große weiß, dass er seinem Bergassessor hundertprozentig trauen kann. Mit einem Spezialauftrag schickt er den Ingenieur deshalb nach England, um bei der Firma Boulton & Watt Industriespionage zu betreiben. Auf deren Dampfmaschine hat es der Preußenkönig abgesehen; Bückling hat ihn auf die Idee gebracht. Sie soll die Pferde ersetzen, die im Kupferschieferbergbau beim Auspumpen der Stollen im Einsatz sind. "Die Kraft derselben ist der Kraft von 108 Pferden gleich", erzählt man sich von der James Watt’schen Feuerkunst. Genauso groß ist die Zahl der Rosse, die im König-Friedrich-Schacht bei Hettstedt bis zur tödlichen Erschöpfung rund 740 Liter Wasser pro Minute nach oben ziehen.
Bückling gelingt, was "die französischen, nach London geschickten Akademisten vergebens zu erforschen bemüht gewesen sind", nämlich, "die Boulton’sche Feuermaschine, ihren Mechanismus sowohl, als das Verhältnis ihrer Teile sorgfältig zu berechnen." Gleich nach seiner Rückkehr baut er ein Miniaturmodell, das den Gießhäusern und Eisenhämmern von Berlin und Oberschlesien als Vorbild für Pumpenzylinder, Messinglager, Rohre und Ventilkästen dient. Am 23. August 1785 ist es soweit. Die erste Dampfmaschine Preußens geht auf dem König-Friedrich-Schacht in Betrieb. Die Industrielle Revolution ist auch im mächtigsten Staate Deutschlands angekommen.

Aber die Feuerkunst ist mittelmäßig konstruiert und zu schlecht gekühlt. Nach kurzer Zeit brennt der Kessel durch. Bückling muss erneut nach England und einen neuen, größeren Zylinder besorgen. Gleichzeitig wirbt er einen erfahrenen britischen Maschinenmeister ab und bringt ihn mit nach Preußen. Nach zwei Jahren Überarbeitungsdauer arbeitet die Dampfmaschine einwandfrei. Bis zur bürgerlichen Revolution 1848 schaufelt das Ungetüm sogar 1.400 Liter Wasser pro Minute aus dem Stollen. Friedrich der Große kann die erschöpften Pferde in den Ruhestand entlassen. Später wird man die Arbeiter feuern. An der Preußischen Dampfmaschine zeigt sich bereits im 18. Jahrhundert, was Karl Marx später theoretisch beschreiben wird: "Da der Arbeiter zur Maschine herunter gesunken ist, kann ihm die Maschine als Konkurrent gegenübertreten."

Stand: 23.08.05