09. Januar 2005 - Vor 45 Jahren: Beginn der Bauarbeiten am Assuan-Damm

Stichtag

09. Januar 2005 - Vor 45 Jahren: Beginn der Bauarbeiten am Assuan-Damm

Im Festzelt ertönt die Stimme eines Imams mit Versen aus dem Koran. Nach seiner Ansprache tritt der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser an ein kleines Schaltpult. Der syrische Präsident Schukri el Kuwatli und König Mohammed V. von Marokko ergreifen Nassers rechte Hand. Gemeinsam drücken die drei Männer den roten Sprengknopf. Mit dieser Explosion beginnen am 9. Januar 1960 die Bauarbeiten am Assuan-Staudamm.Nassers Idee für den Bau des Dammes ist bereits nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, als die Bevölkerungszahl sprunghaft anstieg. Der Bedarf an Lebensmitteln sollte durch die Erschließung neuer Anbauflächen im Niltal gedeckt werden. Anfang 1956 steht der erste Spatenstich kurz bevor. Weltbank und USA haben ihre Zusage für die Finanzierung gegeben. Als Nasser aber neues Kriegsgerät von der Sowjetunion kauft und dafür ausrangierte amerikanische Panzer verschmäht, ziehen die Amerikaner ihr Angebot zurück. Nasser reagiert mit der Verstaatlichung des Suez-Kanals. Die Einnahmen der Kanalgesellschaft sollen nun den Bau des Staudamms ermöglichen. Als die Sowjets Geld und Ingenieure anbieten, zögert Nasser nicht.

Zehnmal so groß wie der Bodensee

Nach elf Jahre Bauzeit wird der Assuan-Staudamm 1971 fertig gestellt - ein Vierteljahr nach Nassers Tod. Der gigantische Damm ist 111 Meter hoch und 3.600 Meter lang. Der Stausee dahinter ist fast 500 Kilometer lang und zehnmal so groß wie der Bodensee. Die Turbinen mit ihrer jährlichen Leistung von zehn Milliarden Kilowattstunden erzeugen heute rund ein Viertel der gesamten Stroms Ägyptens. Statt des Jahrtausende alten Wechsels von Hoch- und Niedrigwasser bewässern jetzt Kanäle die Felder am Nil. Das ermöglichte die Neuerschließung von Ackerland und mehrere Ernten pro Jahr. In Dürrejahren können Missernten verhindert werden.Doch der Damm hat auch negative Folgen: 100.000 Bauern haben während des Baus ihre Dörfer verlassen müssen. Viele von ihnen sind im sozialen Abseits gelandet. Auch das Ökosystem hat sich verändert. Bis heute sorgt die zunehmende Bodenversalzung für Probleme. Die künstliche Dauerbewässerung lässt den Grundwasserspiegel steigen. So gelangen im Boden gelöste Minerale bei der Verdunstung nach oben und reichern sich an. Früher spülte die jährliche Nilflut das Salz fort. Jetzt verschärft der eingesetzte Kunstdünger das Problem. Mit der Inbetriebnahme des Damms versanken Dutzende kulturhistorischer Denkmäler für immer im Wasser. Die Tempelanlage Abu Simbel wurde in Sicherheit gebracht. Ihre Versetzung dauerte vier Jahre.

Stand: 09.01.05