09. September 2005 - Vor 420 Jahren: Herzog von Richelieu geboren

Stichtag

09. September 2005 - Vor 420 Jahren: Herzog von Richelieu geboren

Er entstammt einem alten Landadelsgeschlecht und darf sich daher Herzog von Richelieu nennen. Aber als Armand-Jean du Plessis am 9. September 1585 auf Schloss Richelieu geboren wird, ist seine Familie längst verarmt, seine Mutter eine Bürgerliche. Die Pfründe der Familie macht auch nichts her: Sie besetzt traditionell das Bistum Luçon in der Vendée - der ärmsten, am weitesten zurück gebliebenen Provinz des Königreiches. Um wenigstens diesen Bischofssitz zu halten, muss der junge Richelieu Priester werden und sogar zum Papst nach Rom pilgern, damit er eine Sondergenehmigung erhält. Schon mit 23 Jahren wird er Bischof.

Für den kränklichen Ehrgeizling ist das geistliche Amt nur ein Sprungbrett. Er lässt sich als Vertreter des Klerus in die Generalstände wählen und verschafft sich Zugang zum Hof. Allerdings setzt er hier auf die falsche Förderin: Auf Königinmutter Maria de Medici, die noch die Geschäfte ihres Sohnes führt. Als der sie entmachtet, folgt Richelieu ihr in die Verbannung nach Blois. Keine zwei Jahre später (1619) ist er wieder da, jetzt als Helfer des Königs Ludwig XIII. Richelieu wird Vorsitzender des Staatsrates und erster Minister. Nun nimmt er Rache an den bedeutendsten Adelsgeschlechtern, die auf den Emporkömmling stets herabblickten: Fünf Mitglieder des Hochadels lässt er wegen Ungehorsams gegen die Krone hinrichten, ein ungeheures Vorgehen. Richelieu will eine moderne, zentrale Staatsführung. Sonderrechte schafft er ab, Minderheiten wie die Hugenotten lässt er unterdrücken. Wegen seiner Härte geht er nach seinem Tod 1642 als "Böser" in die Geschichte ein - nicht zuletzt durch Alexandre Dumas' immer wieder verfilmte Musketier-Abenteuer. Dabei ist Richelieu kein dämonischer Despot, sondern ein rationaler Politiker, ein Reformer mit eiserner Hand. Er selbst lebt asketisch, verkörpert den uneigennützigen Staatsdiener. Nicht Geld oder Wohlleben interessieren ihn, sondern die Macht. "Wer im Dienst des Staates steht, muss sich wie ein Stern verhalten", sagt er: "den Hunden leuchten, unbekümmert um ihr Gekläff."


Stand: 09.09.05