17. Dezember 2005 - Vor 175 Jahren: Simón Bolívar in Kolumbien gestorben

Stichtag

17. Dezember 2005 - Vor 175 Jahren: Simón Bolívar in Kolumbien gestorben

Das Land Bolivien ist nach ihm benannt und der Bolivar, die venezuelanische Währung. Jedes Schulkind in Lateinamerika lernt ihn kennen: Simón Bolívar, den Libertador, den Befreier von der spanischen Kolonialherrschaft. Dabei ist der Begründer der modernen Andenländer an deren politischer und sozialer Realität gescheitert, an Widersprüchen, die er wohl noch heute wieder erkennen würde.Simón Bolívar stammt aus einer der reichsten Familien Venezuelas. 1783 in Caracas geboren, geht er zum Studium nach Europa. Dort begeistert er sich für die Aufklärung. Früh Waise geworden, setzt er sein riesiges Vermögen für den Kampf gegen das rückständige Spanien, für ein unabhängiges Groß-Kolumbien ein. Er ist ein General, der auf seine Feldzüge kistenweise Bücher mitnimmt. Den Unabhängigkeitskrieg kann er organisieren, weil viele in seiner Heimat nicht mehr in die spanischen Kassen wirtschaften wollen. 1813 vertreibt er die Spanier aus Caracas. 1815 kommen sie noch einmal zurück, Bolívar geht ins Exil nach Jamaika. Aber 1824 räumen die Spanier nach langen Kämpfen die letzen Stützpunkte in Amerika.Bolívar wird Präsident eines Kolumbien, zu dem auch das heutige Ecuador und Panama gehören, und vom zuletzt befreiten Hochperu, das sich ab 1825 Bolivien nennt. Er träumt von den "Vereinigten Staaten von Südamerika" und von einer bürgerlichen Gesellschaft ohne Sklaverei und Bildungschancen für alle. Aber die Interessen seiner Mitstreiter, Vertreter der Oberschicht wie er, sind andere. Sie suchen ihren wirtschaftlichen Vorteil und streben nach nationaler Unabhängigkeit der Teilstaaten. Bolívar macht sich 1828 zum Diktator,  um den Zerfall der Union zu verhindern. Aber er entkommt nur knapp einem Attentat und zieht sich zwei Jahre später resigniert und krank aus der Politik zurück. Am 17. Dezember 1830 stirbt er im kolumbischen Santa Maria an der Tuberkulose. Er war auf dem Weg ins Exil nach Europa.

"Amerika ist für uns unregierbar", schreibt er in einem seiner letzten Briefe. "Das einzige, was man in Amerika tun kann, ist emigrieren. ... Dieses Land wird unweigerlich in die Hände der zügellosen Massen fallen, um danach auf kaum erkennbare Klein-Tyrannen aller Hautfarben und Rassen überzugehen." Kurz nach seinem Tod spaltet sich die Republik Großkolumbien in drei Teilstaaten auf.


Stand: 17.12.05