19. Dezember 2005 - Vor 5 Jahren: Britisches Unterhaus weitet Embryonenforschung aus

Stichtag

19. Dezember 2005 - Vor 5 Jahren: Britisches Unterhaus weitet Embryonenforschung aus

Die Diskussion im Unterhaus verläuft selbst für britische Verhältnisse turbulent. Darf man menschliches Leben züchten, um es zu töten, wenn dieser Tod vielleicht das Leben vieler Patienten rettet? So lautet, überspitzt gesagt, die Frage. Es geht um die Züchtung von Embryonen zu Forschungszwecken. Aus ihnen sollen Stammzellen gewonnen werden, die sich zu nahezu jedem Zelltyp weiterentwickeln lassen. Deshalb könnten sie im Kampf gegen unheilbare Krankheiten wie Parkinson hilfreich sein. Bisher ist in Großbritannien nur erlaubt, die "Zellhaufen" zur Untersuchung etwa von Unfruchtbarkeit zu untersuchen. Am 19. Dezember 2000 stimmt das britische Parlament als erstes Abgeordnetenhaus in Europa der Erweiterung der Embryonenforschung zu. Es ist eine Entscheidung für die Forschungsfreiheit - gegen ethische Bedenken: eine Entscheidung zudem, die viele ausländische Spitzenforscher auf die Insel treibt.Nach der Abstimmung wird auch in Deutschland heftig diskutiert. "Jetzt spielen sie Gott. Engländer züchten Menschenembryos" lautet die Schlagzeile einer Tageszeitung, "Ohne den Tabubruch wäre vielen Kranken nicht zu helfen" der Kommentar einer anderen. Die deutsche Regierung bleibt bei ihrer alten Position. Bis heute bekommen Forscher hierzulande die begehrten embryonalen Stammzellen nur auf Umwegen über das Ausland. Das ist im Stammzellgesetz von 2002 festgeschrieben. Demnach dürfen zu Wissenschaftszwecken in Deutschland nur Zellen eingeführt und verwendet werden, die vor dem 1. Januar 2002 gezüchtet wurden. Wer gegen das Gesetz verstößt, muss hierzulande mit Gefängnis rechnen – selbst, wenn er in England geforscht hat und irgendwann zurückkehrt.

Am Ende seiner Amtszeit 2005 kündigt der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) 2005 an, das Stammzellgesetz lockern zu wollen, um die deutsche Genforschung wieder an die Weltspitze anzuschließen. Aber auch die Debatte, die er damit auslöst, verläuft zwiespältig und führt zu keiner neuen Bestimmung. "Sie erzeugen ein Lebewesen, dessen Tod Sie an einem bestimmten Zeitpunkt beschließen", betont etwa Schröders Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn ( SPD). Auch aus diesen Zellklumpen würden, so Bulmahn, ohne die Tötung schließlich vollwertige Menschen werden.


Stand: 19.12.05