06. August 2005 - Vor 60 Jahren: Abwurf der Atombombe auf Hiroshima

Stichtag

06. August 2005 - Vor 60 Jahren: Abwurf der Atombombe auf Hiroshima

6. August 1945 - ein typischer japanischer Sommertag bricht an: Knapp 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Um acht Uhr morgens beginnen die Bewohner von Hiroshima ihren Arbeitstag. Obwohl der Zweite Weltkrieg in Ostasien noch nicht zu Ende ist, herrscht auf den Straßen geschäftiges Treiben. Die Stadt im Südwesten Japans ist bislang von amerikanischen Bombenangriffen verschont geblieben - auf Anweisung von US-Präsident Harry S. Truman.Um 8.13 Uhr taucht der amerikanische "B-29"-Bomber "Enola Gay" am Horizont auf. An Bord eine einzige Bombe: "Little Boy". Zwei Minuten später öffnet sich der Schacht über dem Zielpunkt, eine der zahlreichen Brücken Hiroshimas. Danach dreht die Maschine ab. "Der erste Blitz erreichte uns 43 Sekunden nach dem Abwurf der Bombe. Die ersten Wirkungen spürten wir 13 Sekunden später", erinnert sich der Pilot Captain Robert Lewis. "Was wir sahen, war mehr als wir verstehen konnten: Eine ganze Stadt war unmittelbar vor unseren Augen verschwunden."Die Zündung von "Little Boy" löst eine atomare Kettenreaktion aus. Im Bruchteil einer Sekunde entwickelt sich eine Hitze wie im Inneren der Sonne. 14.000 Menschen im unmittelbaren Umkreis der Explosion verdampfen regelrecht. Nichts bleibt von ihnen übrig. Weitere 75.000 sterben in der anschließenden Druck- und Hitzewelle, die sich mit einer Geschwindigkeit von 500 Kilometer pro Stunde ausbreitet. Der Krefelder Jesuitenpater Johannes Siemes wird in einem Vorort Hiroshimas Augenzeuge: "Ein paar Minuten später sehen wir, wie aus der Stadt das Tal herauf Gestalten sich auf uns zu bewegen. Sie sind geschwärzt im Gesicht, zerrissene Kleider und der gesamte Körper ist wie eine einzige Brandwunde." Wer dem Flammentod entgeht, ist dennoch nicht in Sicherheit. Mit dem entstehenden Atompilz wird Staub hochgewirbelt, der sich in den folgenden Tagen und Wochen als schwarzer Regen nieder senkt. Es ist radioaktiver Fall-out, der alles verseucht.

Rund 50.000 Menschen sterben in den kommenden Jahrzehnten an Leukämie und anderen Krebsarten - Folgen der radioaktiven Strahlung. Als offizielle amerikanische Rechtfertigung für den Einsatz der Bombe dient der japanische Überfall auf den US-Stützpunkt Pearl Harbor im Pazifik vier Jahre zuvor: "Wir haben sie eingesetzt, um den Krieg zu abzukürzen, um das Leben tausender und abertausender Amerikaner zu erhalten. Wir werden sie so lange einsetzen, bis wir Japans Kriegspotential vollständig gebrochen haben", sagt Truman am 9. August 1945 in einer Rundfunkansprache. Am gleichen Tag fällt die zweite Atombombe der Geschichte - auf die japanische Stadt Nagasaki. Die Explosion der US-Bombe "Fat Man" tötet noch einmal 60.000 Menschen. Japan kapituliert bedingungslos.


Stand: 06.08.05