25. September 2005 - Vor 40 Jahren: "Beat-Club" erstmals im Fernsehen

Stichtag

25. September 2005 - Vor 40 Jahren: "Beat-Club" erstmals im Fernsehen

Die älteren Zuschauer muss Wilhelm Wieben warnen. Am 25. September 1965 bittet der spätere Chefsprecher der "Tagesschau" das betagtere Publikum um Verständnis, fast um Entschuldigung. Der neue "Beat-Club" von Radio Bremen sei eben "eine Live-Sendung mit jungen Leuten für junge Leute". Es bleiben noch wenige Sekunden, um umzuschalten.Eltern, die dran bleiben, könnten eigentlich aufatmen. Die "Yankees" aus Bremen singen Deutsch. Statt wild kreischender Teenager wippen Jungs mit Schlips und Kragen gemeinsam mit korrekt frisierten Mädchen brav im Takt. Zwischendurch stellt das Moderatorenduo Gerd Augustin und Uschi Nerke nette Fragen. Wie man einen Bandnamen ausspricht zum Beispiel. Oder was für Pläne man für die Zukunft hat. Aufregend ist nur, ob etwas schief geht. Denn an der ersten Pop-Sendung der deutschen TV-Geschichte ist alles improvisiert, jeder Partykeller besser ausgestattet. Nur 3.000 Mark hat Regisseur Mike Leckebusch für Gage, Deko und Lichteffekte zur Verfügung. Deshalb stehen die Musiker auf simplen Holzpaletten. Hin und wieder muss der Kameramann sie per Handzeichen daran erinnern, dass sie auf Sendung sind.

Trotz allem hagelt es Proteste. "Es ist Sonnabend Nachmittag und jede Familie freut sich, dass sie jetzt einmal in Ruhe beisammen sitzen kann", empört sich die Zeitung "Neue Welt" im Jahr der Erstausstrahlung. "Aber dann gibt es den 'Beat-Club'. Dann hopsen vor der Kamera 13- bis 14-Jährige mit Beatle-Frisuren herum. Dann sagen der eigene Sohn oder die Tochter plötzlich: "Seht ihr, diese Frisuren werden sogar im Fernsehen gezeigt." Und schon ist es vorbei mit der verdienten Wochenendruhe!" Das soll sich auch so bald nicht ändern. Bis zur letzten Sendung 1973 wird der "Beat Club" für Deutschlands Jugend zu einer festen TV-Institution.


Stand: 25.09.05