27. Juli 2005 - Vor 55 Jahren: DDR führt Titel "Held der Arbeit" ein

Stichtag

27. Juli 2005 - Vor 55 Jahren: DDR führt Titel "Held der Arbeit" ein

"Held der Arbeit" steht unten auf der silbernen Medaille. Darüber eingeprägt sind Hammer und Sichel, ganz oben zwei gebogene Lorbeerzweige. Zu tragen auf der linken oberen Brustseite. Verbunden mit einem Geldsegen für die Helden der  DDR-Wirtschaft: 10.000 Ost-Mark plus Vorteile bei der Zuteilung von Neubauwohnungen und Urlaubsplätzen. Kein Wunder, dass der  DDR-Ministerrat maximal 50 Genossen pro Jahr mit diesem Orden auszeichnen will.Entstanden ist die Idee in den 1930er Jahre, als in der Sowjetunion eine Aktivistenbewegung eingerichtet wird: Freiwillig sollen Jungkommunisten mehr arbeiten als vorgeschrieben und so das vorgegebene Plansoll übererfüllen. Was Stalin recht ist, ist Walter Ulbricht billig: Der Ministerrat der jungen DDR beschließt am 27. Juli 1950 offiziell die Gründung einer Aktivistenbewegung mit den entsprechenden Auszeichnungen wie "Held der Arbeit" oder "Brigade der ausgezeichneten Qualitätsarbeit". Ulbrichts SED will mit der Bewegung die kriegszerstörte Wirtschaft auf Trab bringen. Bereits 1949 sind die Betriebräte in der DDR abgeschafft worden. Stattdessen machen 100.000 Aktivisten den Arbeitern Beine.

Als Vorzeige-Aktivist wird der Zwickauer Bergarbeiter Adolf Hennecke aufgebaut. Er ist SED-Mitglied und propagandatauglich: "Die Arbeiter und Arbeiterinnen müssen von dem Bewusstsein durchdrungen werden, dass die Früchte ihres Fleißes nicht Millionenprofiten von Monopolisten dienen, sondern dass sie dem werktätigen Volke zugute kommen." Er hat bereits 1948 die Messlatte vorgegeben: "Ich fuhr also am 13. Oktober ein und erreichte 387 Prozent meines Solls." Er habe die Kohlenrutsche optimal platziert und auch in den Förderpausen weiter gearbeitet. Was er verschweigt: Er hat sich zwei optimale Kohlefelder reservieren lassen, und zwei Kollegen transportieren vorrangig seine Kohle ab. Dennoch wird Hennecke Mitglied des Zentralkomitees der SED - und Bestandteil der DDR-Kultur. "Es gießt wie Hennecke" wird zum Synonym für starken Regen. Wenn es jemand besonders eilig hat, heißt es: "Der rennt wie Hennecke."


Stand: 27.07.05