17. März 1804 - Uraufführung von Schillers "Wilhelm Tell"

"Wilhelm Tell", Farbkupferstich von Joseph von Führich

17. März 1804 - Uraufführung von Schillers "Wilhelm Tell"

Berge, grüne Wiesen, das hohe Felsenufer des Vierwaldstättersees. Hirten, die ihre Kühe durch Gesang zum Abtrieb animieren, Schweizer Dörfer und Höfe im Sonnenschein: Am Anfang ist noch alles idyllisch in Friedrich Schillers "Wilhelm Tell".

Aber es gibt ja den bösen, vom Kaiser eingesetzten Vogt Gessler, der die armen Dorfbewohner drangsaliert. Und es gibt den aufopferungsvollen Titelhelden mit der Armbrust, der eher durch Zufall in die Freiheitsbestrebungen der Schweizer hineingerät und den Vogt in der hohlen Gasse bei Küssnacht am Ende tötet. Und der mit dem Schuss des Apfels vom Kopf des Sohnes eine der berühmtesten Theatereffekte des deutschen Dramas initiiert.

Uraufführung des "Wilhelm Tell" (am 17.03.1804)

WDR 2 Stichtag 17.03.2019 04:13 Min. WDR 2

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Eigentlich will Goethe selber schreiben

"Wilhelm Tell" ist keine Erfindung Friedrich Schillers. Schon in alten Schweizer Chroniken finden sich der Freiheitsheld, der böse Vogt und der Aufstand der Schweizer gegen die fremden Unterdrücker. Die Alpen und die Schweiz hat der reisescheue Schiller ohnehin nie gesehen - und auch der Stoff fliegt ihm zu: Durch seinen Dichter-Freund Johann Wolfgang von Goethe, der 1797 wegen der politischen Unruhen auf seiner Reise nach Italien bei den Eidgenossen hängen bleibt. Dabei findet er die Fabel von Tell.

"Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern"

Schiller leiht sich 20 Werke zum Thema aus, die er der Reihe nach verschlingt. Alle Wände seines Zimmers tapeziert er mit Spezialkarten der Schweiz, vertieft sich so lange in den Gegenstand, bis er jeden Winkel ausgelotet hat. Innerhalb eines halben Jahres schreibt Schiller den Tell dann herunter. Am 17. März 1804 wird das Stück im brechend vollen Theaterhaus von Weimar uraufgeführt. Fünf Stunden dauert die Premiere.

Am Ende steht ein Stück, das vielleicht allzu aufgesetzt und holprig daherkommt, der deutschen Sprache aber viele Sprüche bringt. "Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt" ist einer davon, "früh übt sich, was ein Meister werden will" oder "die Axt im Haus erspart den Zimmermann" zwei andere. Und auch der Rütli-Schwur geht ins kollektive Volksgedächtnis ein.

Vor allem gibt der "Tell" Schiller die Gelegenheit, seine Enttäuschung gegenüber der Französischen Revolution zum Ausdruck zu bringen. Nicht die Masse überwindet den Tyrannen, lautet die Botschaft, sondern die heroische Tat des Einzelnen.

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Stand: 17.03.2019, 00:00