845 - Wikinger überfallen Paris

Runenstein mit Inschrift und Wikingerboot am Wikingermuseum in Bork

845 - Wikinger überfallen Paris

Zwischen dem neunten und elften Jahrhundert perfektionieren die als Wikinger bekannten skandinavischen Seeräuber ihr System der Plünderungen in Europa. Dabei dehnen sie ihre Raubzüge von den Küsten- zu den Flussstädten immer weiter aus.

Die Wikinger überfallen Hamburg und Dublin, Lissabon und Sevilla. Köln wird gebrandschatzt, Bonn wird gebrandschatzt, Trier ebenfalls. Die Duisburg, die später einer Stadt im Ruhrgebiet den Namen geben soll, wird zum Schutz gegen die Wikinger errichtet. Mit relativ mäßigem Erfolg.

Sieben Mal trifft es auch Siedlungen entlang der Seine, auch Paris. Aber der Überfall der Wikinger in der Osternacht am 28. März 845 hat eine neue Dimension.

Das zweigeteilte Heer

Reginheri heißt der Befehlshaber, der mit seinen Nordmännern die Seine hinunterfährt. Angeblich bringt er 120 Schiffe und 5.000 Mann Besatzung mit, aber das sind Zahlen, die mit der Dämonisierung der barbarischen Wikinger in der christlichen Geschichtsschreibung der Mönche zu tun haben. Vermutlich sind es eher ein Dutzend Schiffe und Kämpfer im dreistelligen Bereich. Ihre wichtigste Waffe ist eigentlich das Langschiff mit geringem Tiefgang: extrem schnell und wendig. Und blitzschnell an Land gestrandet.

Auf der Seine allerdings sind die Langschiffe eher langsam: Sie können nicht segeln, die Ruderer kämpfen gegen die Strömung an. In Paris weiß man längst, dass die Nordmänner kommen. Aber das Frankenreich ist durch eine Teilung wenige Jahre vorher geschwächt. Und König Karl II. ("der Kahle") macht einen taktischen Fehler: Er positioniert sein Heer an beiden Seiten des Flusses und halbiert die Stärke auf jeder Seite dadurch. Er muss zusehen, wie ein Teil seiner Armee geschlagen wird und die Wikinger - der Legende nach - 111 gefangene Franken auf einer Seine-Insel erhängen.

2,5 Tonnen Silber als Schutzgeld

Karl ist geschlagen, und die Wikinger fahren ohne großes Aufhebens unermessliche Schätze ein. Denn der fränkische Herrscher bietet Reginheri zweieinhalb Tonnen Silber als Lösegeld für fast achteinhalb Tausend Menschen an. Fortan entwickelt sich die Schutzgeldzahlung zum Einkommensfaktor der Nordmänner - vor allem im angelsächsischen England.

Durch den Schachzug wird Reginheri zur Vorlage für den mythischen dänischen König Ragnar der späteren altnordischen Saga-Literatur. Sein Kollege Rollo tut es ihm gleich und zieht genau 40 Jahre nach Reginheri mit 350 Kilo Silber aus Paris wieder ab. 911 belagert er die Stadt Chartres, wird dort aber vernichtend geschlagen und vertrieben.

Karl III. bietet ihm trotzdem die Grafschaft Rouen im heutigen Nordfrankreich am Unterlauf der Seine an: So werden Rollos Plünderungen eingedämmt. Und ein Wikinger sorgt dafür, dass andere Wikinger an der Seine nicht mehr brandschatzen können.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 28. März 2020 ebenfalls an die Belagerung von Paris durch dei Wikinger. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stichtag am 29.03.2020: Vor 45 Jahren: Premiere von "Nonstop Nonsens" in der ARD

Stand: 28.03.2020, 00:00