4. März 2010 - Urteil gegen islamistische Sauerland-Gruppe

Die im Sauerland-Prozess angeklagten Fritz G. (r.) und Adem Y. (l.) stehen am Mittwoch (03.02.10) in einem Verhandlungssaal des Oberlandesgerichtes in Duesseldorf neben Justizbeamten

4. März 2010 - Urteil gegen islamistische Sauerland-Gruppe

Sauerland, 4. September 2007, 14.30 Uhr: In Medebach-Oberschledorn stürmt die GSG-9 ein Ferienhaus. Drei Männer werden festgenommen, die von den Ermittlern seit Monaten überwacht worden sind. Einen vierten verhaftet später die türkische Polizei. Die Presse gibt ihnen den Namen "Sauerland-Gruppe", weil sich die Verdächtigen im Sauerland getroffen haben.

Ihnen wird vorgeworfen, Mitglieder der "Islamischem Dschihad Union" (IJU) zu sein und mindestens drei Autobombenanschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben.

Urteil im Prozess gegen Sauerland-Gruppe (am 04.03.2010)

WDR 2 Stichtag 04.03.2020 04:15 Min. Verfügbar bis 02.03.2030 WDR 2

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Prozess in Düsseldorf

Am 22. April 2009 beginnt vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht der Prozess gegen die Sauerland-Gruppe. Zum ersten Mal stehen junge Deutsche vor Gericht, die zu islamistischen Terroristen wurden: Fritz G., Daniel S., Attila S. und Adem Y.

Für den Vorsitzenden Richter, Ottmar Breidling, ist es der wichtigste Prozess seines Lebens. Er greift zu ungewöhnlichen Mitteln und steckt die Angeklagten zusammen in eine Zelle. "Damit sie sich darüber unterhalten können, ob sie ein Geständnis ablegen oder nicht."

Ausführliche Aussagen

Breidlings Kalkül geht auf: Adem Y. überredet seine Mitangeklagten zu Aussagen. "Hinzu kam die Beweislast, dass sie merkten, sie können da überhaupt nichts reißen." Noch nie haben bis dahin islamische Terroristen in einem Prozess in Deutschland gestanden und ausführliche Angaben gemacht.

"Die Erkenntnisse, die wir über die IJU erlangt haben, die sind derart nachhaltig und tiefgehend von der Quantität und Qualität her", lobt damals Bundesanwalt Volker Brinkmann.

Die Angeklagten geben auch Einblicke in ihre Radikalisierung. Fritz G. schildert, wie er unter der Scheidung seiner Eltern litt. Wie er in einem strenggläubigen Mitschüler einen Freund fand, zum Islam konvertierte und nach und nach zum "Gotteskrieger" wurde.

Langjährige Freiheitsstrafen

Die Geständnisse verkürzen den Prozess. Das Verfahren dauert nur Monate. Richter Breidling und seine Kollegen fällen ihr Urteil am 4. März 2010. Zwei der Angeklagten werden zu zwölf Jahren, einer zu elf und der vierte zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Drei der vier Verurteilten kommen vorzeitig frei. Adem Y. wird in die Türkei abgeschoben. Dort soll auch Attila S. leben. Daniel S. hat in der Haft sein Abitur gemacht, Wirtschaftswissenschaften studiert und lebt mit seiner jungen Familie im Südwesten Deutschlands, ähnlich wie Fritz G. - zurückgezogen und unauffällig.

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Stand: 04.03.2020, 00:00