Wintererstbesteigung der Eiger-Nordwand 1961: Heinrich Harrer beobachtet sie von der Kleinen Scheidegg aus

7. Januar 2006 - Heinrich Harrer stirbt in Kärnten

Stand: 07.01.2021, 00:00 Uhr

Im Juli 1938 hat Heinrich Harrer schon mehr als 600 Bergtouren und Erstbesteigungen in den Alpen hinter sich. Nun will der Österreicher die Nordwand des Eiger im Berner Oberland erklimmen. Sie gilt als die letzte große Herausforderung der Alpen, an der bislang alle Bergsteiger gescheitert sind und die daher auch "Mordwand" genannt wird.

Tatsächlich erreicht Harrer in seiner Vierer-Seilschaft am 24. Juli 1938 den Gipfel über die fast 2.000 Meter hohe Nordseite. Im Tal ist der Jubel groß, Adolf Hitler lädt die Helden vom Eiger zum Empfang.

Heinrich Harrer, Bergsteiger (Todestag 07.01.2006)

WDR 2 Stichtag 07.01.2021 04:15 Min. Verfügbar bis 05.01.2031 WDR 2


Download

Deutscher Schicksalsberg "Nanga Parbat"

Geboren wird Harrer am 6. Juli 1912 in Hüttenberg in Kärnten. Er studiert Sport und Geografie in Graz, jobbt nebenbei als Skilehrer und Bergführer. 1936 trägt er als Teilnehmer an den Olympischen Spielen die Fahne der österreichischen Mannschaft.

Die Bezwingung der Eiger-Nordwand macht Harrer schlagartig berühmt: "Ich wurde nun ausgewählt zum Nanga Parbat zu gehen." Den Himalaja-Achttausender haben die Nationalsozialisten zum "deutschen Schicksalsberg" erklärt. Harrer soll ihn mit einem deutschen Bergsteiger-Team erstmals bezwingen, um der ganzen Welt die Stärke der NS-Ideologie vorzuführen.

Lagerhaft statt Gipfelruhm

Die Expedition scheitert. "Als wir vom Berg zurückkamen, war der Zweite Weltkrieg ausgebrochen und wir wurden sofort von den Engländern hinter Stacheldraht gesetzt", erzählt Harrer im Rückblick. In dem Gefangenenlager in Indien lernt er Tibetisch, Hindi und Japanisch. Nach fünf Jahren gelingt dem Österreicher im April 1944 die Flucht.

Der 14. Dalai Lama (l.) fuehrt am Donnerstag (28.07.05) zum Ende der Festveranstaltung "Freunde fuer einen Freund" im Kurhaus von Wiesbaden seinen aeltesten Freund, den oesterreichischen Bergsteiger Heinrich Harrer, von der Buehne.

Lebenslange Freundschaft: Dalai Lama und Heinrich Harrer

Er schlägt sich mehr als 2.000 Kilometer bis nach Tibet durch. Dort trifft er den elfjährigen Dalai Lama. Harrer wird sein Lehrer, Berater und Freund. "Mein Aufenthalt in Tibet, meine Zeit mit dem Dalai Lama ist die schönste Zeit meines Lebens gewesen, ich glaube für beide", erzählt Harrer später gerne.

Brad Pitt spielt Heinrich Harrer

1952 kehrt er nach Europa zurück und verarbeitet seine Erlebnisse in dem Buch "Sieben Jahre in Tibet". Von den Erlösen finanziert er weitere Forschungsreisen. Dann will Hollywood seine Geschichte in die Kinos bringen. Während der Dreharbeiten wird die NS-Vergangenheit Harrers bekannt. Er kann sich angeblich zunächst an nichts erinnern.

Allerdings müssen Dialoge des Films"Sieben Tage in Tibet" nun umgeschrieben werden, da sich Hauptdarsteller Brad Pitt weigert, zur Nazi-Verherrlichung beizutragen. Harrer muss eingestehen, Mitglied der NSDAP und der SS gewesen zu sein. Er stirbt am 7. Januar 2006 mit 93 Jahren in Kärnten.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 7. Januar 2021 ebenfalls an Heinrich Harrer. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stichtag am 08.01.2021: Vor 80 Jahren: Robert Baden-Powell stirbt in Nyeri